Wovor hast Du wirklich Angst und warum?

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Es sind meistens nur wenige Sekunden, die ausschlaggebend sind. Auf einmal schwirren verschiedene Gedanken durch unseren Geist, unserer Adrenalin-Level steigt ruckartig in die Höhe und wir fühlen uns vollkommen hilflos. Es ist Angst. Diese eine Emotion kann dafür sorgen, dass wir komplett aus der Bahn geworfen werden. Psychologen bezeichnen Angst nicht umsonst als einer unserer grössten Motivatoren. Doch wie machen wir aus Angst den notwendigen Mut?

“Der Friedhof ist der reichste Ort auf Erden, denn hier findest du all die Hoffnungen und Träume, die nie erfüllt wurden, die Bücher, die nie geschrieben wurden, die Lieder, die nie gesungen wurden, die Erfindungen, die nie geteilt wurden, die Heilmittel, die nie entdeckt wurden, alles, weil jemand zu viel Angst hatte, den ersten Schritt zu tun, am Problem dranzubleiben oder entschlossen war, seinen Traum zu verwirklichen.”

Less Brown

Der Unterschied zwischen Angst und Mut liegt darin, wie man auf Herausforderungen oder Bedrohungen reagiert. Mut ist die Bereitschaft, sich Herausforderungen zu stellen und Risiken einzugehen, um ein Ziel zu erreichen oder eine Bedrohung zu bewältigen. Angst hingegen ist eine emotionale Reaktion auf Bedrohungen, die dazu führen kann, dass man sich vor Herausforderungen zurückzieht oder sie vermeidet. Sind also die Ängste, die wir haben, begründet?

Also wovor haben wir wirklich Angst? Im Folgenden findest Du eine Auflistung von den verschiedenen Ängsten, wo sich jeder Mensch mindestens 1 Mal wiederfinden wird.

Die Angst vor Ablehnung

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“Dich wollen wir nicht dabei haben!”

Als Kind müssen wir früh erfahren, dass die behütete Welt, wo wir aufgewachsen sind, doch nicht so heil ist, wie wir gedacht haben. Die Angst vor Ablehnung ist nicht neu. In der Steinzeit konnte die Ablehnung von unserem Stamm auch der direkte Tod für uns bedeuten. Diese Angst haben wir unbewusst in unser heutiges Leben übernommen. Angst vor Ablehnung können wir auch in der Erziehung erfahren haben. Sehr oft entstehen bestimmte Einstellungen wie: „Ich bin nur liebenswert, wenn ich akzeptiert werde“ oder: „Ich werde nur akzeptiert, wenn ich anderen zustimme.“ bereits in der frühen Kindheit. Wenn wir zum Beispiel durch unsere Eltern bestraft werden, erfahren wir direkt, dass diese Handlungsweise von uns „schlecht“ war. Diese Sanktionierung kann sich sogar so tief in unserem Unterbewusstsein manifestieren, sodass wir später regelrecht eine Phobie zu dieser einen Sache entwickeln.

In der Schulzeit müssen wir uns auch öfter Sätze wie: „Du enttäuschst mich, ich hätte mehr von dir erwartet“, anhören. Nonverbale Ablehnung in Form von Blicken kann sich ebenfalls negativ auf unsere Persönlichkeit auswirken. Die Folgen können so weitreichend sein, sodass wir auf unsere eigene Meinung und Ansichten verzichten, um in sozialen Kreisen nicht anzuecken. Die Wahrheit ist: Die Angst vor Ablehnung ist bei uns allen tief verankert, denn sie war überlebenswichtig bis vor ein paar Jahrzehnten: Einmal vom „Tribe“ ausgeschlossen, war man kaum fähig alleine in der Welt zu überleben. Mehr dazu in den Kapiteln „Wie entsteht Angst?“ und „Wie kann ich mit Angst umgehen?“.

Die Angst vor Kritik

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Ungenügende Leistung!

Kritik ist etwas Schlechtes“, so haben wir es zumindest in jungen Jahren beigebracht bekommen. Wenn uns jemand kritisiert, fühlt sich unser Ego angegriffen. Der Psychoanalytiker hat dieses Ego auch als „Über-Ich“ bezeichnet. Das Problem ist, dass wir auch bei einer sachlichen Kritik nicht eine Kritik an einer bestimmten Handlungsweise von uns von einer Kritik an unserer Person unterscheiden können.

Wenn uns jemand kritisiert, dann haben wir das Gefühl, dass wir als Person infrage gestellt werden. Die intuitive Reaktion auf diese Kritik ist Angst. Die Angst vor Kritik basiert auf der Angst, dass wir möglicherweise alles falsch machen könnten. Jeder von uns hatte schon mal in der Schule oder spätestens in der Universität Angst von seinen Mitmenschen für einen Vortrag oder einer Aufgabe kritisiert zu werden. Die Folgen von dieser Angst können weitreichend sein. Zunächst versuchen wir uns so gut wie möglich zurückzuziehen und sind in der Schule, in der Universität oder auf der Arbeit besonders ruhig und zurückhaltend. Die Angst vor Kritik kann aber auch dazu führen, dass wir stagnieren und gar nicht mit einer wichtigen Aufgabe wie zum Beispiel einer Hausarbeit beginnen, weil unsere Angst zu versagen überwiegt.

Die Angst zu versagen ist eigentlich die lächerlichste von all unseren Ängsten: Versagen ist etwas ganz Natürliches. Jeder Mensch versagt dann und wann. Wann ist es denn das letzte Mal vorgekommen, dass Dich jemand wirklich ausgelacht hat? Dank unserer Empathie respektive Einfühlungsvermögen kommt das nur selten vor. Mache Dir das Scheitern also zu einer Lehre und einer neuen Chance. Am Arsch vorbeigeht auch ein Weg! Auf Englisch gibt es für diesen erstrebenswerten Zustand sogar einen eigenen Ausdruck: becoming unfuckwithable . Mehr dazu im letzten Kapitel.

Die Angst vor der Zukunft

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“Dich brauchen wir nicht mehr!”

Kind, wenn Du so weitermachst, dann wirst Du keine Zukunft mehr haben“. Diesen Satz hat vielleicht schon mal der ein oder andere von seinen Eltern gehört, als es in der Schule nicht so gut lief. Meistens ist der nächste Morgen einfach nur ein Versprechen, welches wir uns selbst gegeben haben. Auch wenn sich dieses Versprechen bewahrheitet, wissen wir im Grunde nicht, wie es in der Zukunft weitergehen wird.

Die Angst vor der Zukunft ist kein neues Phänomen, sondern so alt wie die Menschheit selbst. Das Ungewisse stellt für uns eine Bedrohung dar. Deswegen versuchen wir alles so gut wie möglich zu planen. Ein perfektes Beispiel hierfür ist unser Urlaub. Obwohl diese Jahreszeit die entspannteste im ganzen Jahr sein soll, versuchen wir alles von Beginn bis zur letzten Minute einzuplanen. Wenn etwas dann schiefläuft, verfallen wir in Angst und Panik. Genetische Komponenten wie die Erziehung können auf die Angst selbst ebenfalls einen Einfluss nehmen. Wenn wir in unserer Kindheit und Jugendzeit zu sehr von unseren Eltern behütet worden, dann kann dies unsere Angst vor der Zukunft ebenfalls bestärken. Die Ursache hierfür liegt darin, dass wir nicht die Möglichkeit bekommen haben, mit Krisen richtig umzugehen.

Lösung: Du machst Dir Deine eigene POSITIVE Vision der Zukunft. Dies auf dieselbe Weise, wie Du Deine bestehende angsteinflössende Zukunftsvision kreiert hast. Lerne loszulassen und Veränderung zu begrüssen. Mehr dazu im letzten Kapitel!

Soziale Angst

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“Dich finden wir doof!”

Obwohl wir Menschen einer der sozialsten Säugetiere überhaupt sind, ist unsere soziale Angst mindestens genauso gross. Wenn wir zum Beispiel in unserer Kindheit und Jugendzeit die ganze Zeit nur mit den gleichen Menschen zu tun hatten, dann können wir in einer neuen Situation mit fremden Menschen sehr schnell soziale Angst entwickeln. Hast Du in Deinem Leben schon mal öfter damit zu kämpfen gehabt unangenehm aufzufallen oder Angst davor gehabt Dich lächerlich zu machen? Dann hast Du zu einem Teil ebenfalls mit sozialer Angst zu kämpfen.

Fühlst Du Dich in grosser Gesellschaft ständig beobachtet und angespannt? Dann können dies ebenfalls Indikatoren dafür sein, dass Du soziale Angst hast. In diesem Fall versuchen wir soziale Situationen wie den Besuch von Veranstaltungen, Restaurants oder Einkaufszentren zu meiden. Auch Vereinstätigkeiten mit bekannten und vor allem von unbekannten Personen versuchen wir zu meiden. Manchmal erfinden Ausreden, warum wir nicht teilnehmen können. Menschen mit sozialer Angst meiden manchmal auch Reisen, um nicht in Kontakt mit fremden Personen zu kommen.

Die Lösung für dieses Problem wäre, Dein Selbstbewusstsein zu stärken und Dir selbst und anderen zu vergeben. Das klingt jetzt etwas merkwürdig, aber mehr zu dem Thema im letzten Kapitel „Wie kann ich mit Angst umgehen?“.

Die Angst nicht zu genügen

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“Schau in den Spiegel – was siehst Du?”

Bin ich überhaupt schön genug?“. Mit diesem Gedanken hatte fast jede Frau schon mal zu kämpfen, als sie vor dem Spiegel stand und sich beobachtet hat. Wir glauben, dass in unserem Zeitalter das Aussehen eine wichtige Rolle spielt. Mit unserem Aussehen selbst sind wir jedoch selbst viel kritischer, als andere Menschen. Kleine Makel werden als Fehler wahrgenommen – dabei machen sie Dich einzigartig!

Menschen, die Angst davor haben hässlich zu sein, vergleichen sich auch sehr oft mit Supermodels auf Instagram und anderen sozialen Netzwerken. Dies hat zur Folge, dass sich ihre Angst nur noch verstärkt. Jeder Mensch ist auf seine einzigartige Weise schön – so lange er nicht versucht, jemand anderes zu sein. Bleibe also authentisch: Verstelle oder entstelle Dich nicht im Glauben, anderen so besser zu gefallen. Lerne Dich selbst so zu lieben, wie Du bist.

Solltest Du wirklich zu den Menschen gehören, die an starken Selbstzweifel leiden, dann solltest Du auf jeden Fall Deine „Selbstliebe“ aufbauen – denn wenn Du Dich selbst nicht lieben kannst, warum sollen es dann andere Leute tun? Mehr dazu findest Du im letzten Kapitel.

Wie entsteht Angst?

Die oben genannten Ängste und auch viele weitere können mit der Zeit zu Panikattacken führen und die Gesundheit schwerstens negativ beeinträchtigen. Leider ist Angst inzwischen zu einem Volksleiden geworden. Aber wo hat die Angst eigentlich ihren Ursprung?

In der Natur hat jedes höher entwickelte Lebewesen eine Art „Notprogramme“, welche aktiv werden, wenn man einem „überlegenen“ Gegner begegnet. Eines dieser „Programme“ ist bekannt als „Kampf- oder Flucht-Reaktion“ und war notwendig, um unser Überleben zu sichern. Ausserdem war, wie gesagt, äusserst wichtig für das Überleben, dass man nicht von der Gruppe ausgeschlossen wurde, denn dadurch stieg die Variation von potenziellen Gefahren exponentiell an. Daher sind beide Verhaltensweisen tief in uns verankert. Wir streben alle nach „gefallen“ und haben das Gefühl „nicht gut genug“ zu sein. Dies wird bestärkt durch Erfahrungen, welche wir als Kind (schutzlos auf die Eltern angewiesen) oder in der Jugend gemacht (z. B. Abhängigkeiten von der Willkür anderer Personen) haben. Wir streben nach Sicherheit, jeder auf seine Art – was aber dadurch entsteht, ist STRESS!

Wie kann man mit Angst umgehen?

Dies ist die wichtigste Frage. Regelmässige Meditation kann ein möglicher Lösungsansatz sein, um unseren ununterbrochenen negativen Gedankenstrom zu beenden. Jedoch einfach „da sitzen und nichts zu denken“ wird vor allem dann nicht funktionieren, wenn man mit seinen Ängsten beschäftigt ist. «Man kann nicht nichts denken!», daher verwenden wir zur Kontrolle unserer Gedanken unseren Fokus. Und diesen Fokus richten wir auf Dinge, die wirklich wichtig sind. Ich habe Dir hierzu die 6-Phasen-Meditation von Vishen Lakhiani zusammengefasst und ein wenig angepasst. Die ganze Technik werde ich in einem anderen Artikel im Detail beschreiben. Wenn Du bis dahin Hilfe benötigen solltest, dann melde Dich einfach bei mir oder lesen meinen Artikel über Meditation gegen Angst und innere Unruhe.

Die Vorbereitung:

  • Wenn möglich: Schmuck ablegen, Gurt lockern.
  • Sitze bequem: Die Wirbelsäule sollte aufrecht sein.
  • Zunge an den Gaumen.
  • Hände auf Knie mit Handflächen nach unten.
  • Körper und Seele lockern.
  • Erst den Blick in die Ferne richten und dann “zurückziehen” bis zwischen die Augenbrauen.
  • Augen schliessen und leicht lächeln.

Phase 1: Mitgefühl & Liebe (Porenatmung/Metta Meditation)

  • Stelle dir vor, Du atmest durch alle Poren ein und aus.
  • Verbinde dich mit deiner Umwelt und fühle den Austausch der Energie.
  • Empfinde Mitgefühl für alle Wesen in deiner Umgebung.

Hier findest Du eine detailliertere Anleitung zur Metta Meditation.

Phase 2: Dankbarkeit

  • Denke an Dinge, für die du dankbar bist, die in den letzten 24 Stunden oder in den letzten Tagen oder in deinem ganzen Leben stattgefunden haben.

Phase 3: Vergebung

  • Jeder, dem du noch Wut fühlst, hat eine negative emotionale Ladung, wenn du an sie denkst.
  • Stelle dir die Person vor dir vor, dann konfrontiere sie mit dem Leid, dass sie dir angetan haben. Dann vergibst Du der Person.

Phase 4: Zukunftsträume

  • Visualisiere dein “ideales Lebens”, 3 Jahre in der Zukunft, oder den Erfolg in einem bestimmten Bereich deines Lebens oder in einem bestimmten Lebensthema, das Dich beschäftigt.
  • Überlege dir dabei auch, wer alles von Deiner Vision profitieren könnte.

Phase 5: Dein perfekter Tag

  • Gestalte dir in Gedanken einen perfekten Tag.
  • Zerlege deinen Tag in jede Stunde, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen.

Phase 6: Der Segen

  • Stelle dir vor, eine höhere Macht versorgt dich mit Energie und unterstützt dich bei deinen Vorhaben.

Über diese 6-Phasen-Meditation habe ich einen eigenen Artikel geschrieben. Hier geht es zur kompletten Meditation.

Fazit

Du siehst, wir haben die Möglichkeit zu lernen, wie wir mit Ängsten umgehen, damit sie uns nicht mehr im Wege stehen, unsere Ziele und Visionen der Zukunft zu verwirklichen. Meditation ist eine geeignete Methode, sofern Deine Ängste nicht zu einer Angststörung herangewachsen sind, die behandelt werden muss. Ich selbst mache mir viele Sorgen und gehe auch nicht immer vom Besten im Menschen aus, aber seit ich meditiere, bin ich zuversichtlicher, offener und entspannter als jemals zuvor. Probiere es doch einfach mal aus.

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