Was ist Empathie – und was bedeutet sie für uns?

Home / Blog / Business / Was ist Empathie – und was bedeutet sie für uns?

In diesem Artikel werde ich verschiedene Fragen rund um die Empathie klären. Denn grundsätzlich gibt es keine einheitliche Definition vom Begriff „Empathie“. Man hört zwar, dass Empathie ein Erfolgsfaktor im Business, aber auch für ein glücklicheres Leben sein kann, aber man findet kaum Anleitungen, wie man Empathie lernen oder trainieren kann. Daher klären wir hier folgende Fragen:

  • Was ist Empathie?
  • Verschiedene Arten von Empathie.
  • Wie empathisch bist Du?
  • Wie kann ich Empathie lernen oder trainieren?
  • Was bringt es Dir, empathischer zu sein?

In welchen Situationen kann Empathie besonders hilfreich sein? Empathie kann uns dabei helfen, in schwierigen oder anstrengenden Situationen besser zu verstehen, was die andere Person empfindet. Wenn wir in der Lage sind, uns in die Lage des anderen zu versetzen und seine Gefühle nachzuvollziehen, können wir viele Probleme vermeiden. Empathie kann sogar uns selber dabei helfen, unsere eigenen Gefühle besser zu verstehen. Mehr dazu am Ende des Beitrages.

Was ist Empathie

Im Allgemeinen kann man Empathie als die Fähigkeit bezeichnen, sich in die emotionale Welt einer anderen Person hineinversetzen zu können. Oft wird Empathie mit „Mitleid“ verwechselt, obwohl es sich hierbei um zwei unterschiedliche Dinge handelt. Die Empathie bedeutet nicht, etwas für eine andere Person zu tun, denn dies könnte sogar als Egoismus geschehen.

human 189282 1280 - Was ist Empathie – und was bedeutet sie für uns?
Was fühlst Du, wenn Du das Bild siehst? Hast Du Mitleid oder fühlst Du mit?

Das Ziel besteht vielmehr darin, sich in die Gefühlswelt von der anderen Person hinein versetzen zu können. Diesen Begriffsunterschied wollen wir an Hand von einem kleinen Beispiel veranschaulichen. Armut löst bei vielen Menschen „Mitleid“ aus. Deswegen sind sie bereit, einer anderen Person Geld zu geben. Die Empathie würde in diesem Fall, jedoch nicht darauf abzielen, dieser Person Geld zu geben nur, weil wir Mitleid empfinden.

Das Ziel ist es viel mehr, die Gedankengänge und Gefühle dieser Person nachzuvollziehen. Neben dieser Begriffsunterscheidung gibt es auch unterschiedliche Arten der Empathie. Im Folgenden wollen wir uns die verschiedenen Erscheinungsformen der Empathie ein wenig genauer anschauen. An diesen Erscheinungsformen wirst Du auch merken, dass sich der Begriff „Empathie“ schlecht verallgemeinern lässt.

Die emotionale Empathie

Die emotionale Empathie beschreibt die Fähigkeit, die Gefühle von seinem Gegenüber nachvollziehen und „mitfühlen“ zu können. Sie macht es möglich, dass wir für eine andere Person so etwas wie Mitgefühl empfinden. Erkennbar ist diese Art der Empathie an einer Stimmungsübertragung. Wenn Dein bester Freund Dir beispielsweise von dem Tod eines Familienmitgliedes berichtet, wird die Stimmung der Trauer auf Dich übertragen. So empfindest Du ähnlich wie diese Person und kannst seine Gefühle besser nachvollziehen.

Die kognitive Empathie

Die kognitive Empathie umfasst im Vergleich zu der emotionalen Empathie noch viele andere Fähigkeiten. Im Grunde beschreibt die kognitive Empathie die Fähigkeit einer Person, die Gedanken, Gefühle und Motive von seinem Gegenüber nachzuvollziehen. Hierbei geht es nicht um eine 100 % Übereinstimmung der beiden beteiligten Personen, sondern um das alleinige Nachvollziehen der Situation. Emotionen können dabei nicht nur durch verbale Kommunikation, sondern auch durch nonverbale Kommunikation, also die Körpersprache entschlüsselt werden.

So hast Du am Ende die Möglichkeit, die Emotionen dieser Person besser nachzuempfinden. Die kognitive Empathie kann, aber auch zu manipulativen Zwecken genutzt werden. Tagtägliche Beispiele hierfür finden sich in unserer Werbung, wie auch in unserer Politik. Deswegen ist die Absicht, mit der die kognitive Empathie genutzt wird, zu berücksichtigen.

Die soziale Empathie

Die soziale Empathie beschreibt eine weitere Form der Empathie und ist in unserem Zeitalter besonders wichtig. Sie beschreibt die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge besser zu entschlüsseln. Wenn man Hintergrundwissen zur Kultur, Altersgruppe und Herkunft von einer Person hat, sprich, der Baseline, kann man die soziale Empathie auch dafür nutzen, um Verhaltensweisen dieser bestimmten Person besser nachvollziehen zu können. Auch in den Sozialwissenschaften gewinnt die soziale Empathie immer mehr an Bedeutung. Mehr dazu in meinem Artikel über die interkulturelle Kommunikation.

Empathie, Mitgefühl und Mitleid

Empathie, Mitgefühl und Mitleid sind alle Formen der emotionalen Anteilnahme, aber sie unterscheiden sich in einigen wichtigen Aspekten.

Empathie ist die Fähigkeit, die Gefühle und Perspektiven anderer Menschen zu verstehen und sich in sie hineinzuversetzen. Es geht darum, die Emotionen anderer wirklich zu fühlen und sie auf eine echte und tiefgreifende Weise zu verstehen. Empathie ermöglicht es uns, die Perspektive anderer Menschen wirklich zu verstehen und uns in sie hineinzuversetzen.

Mitgefühl ist die Fähigkeit, Mitleid mit den Leiden anderer Menschen zu empfinden und ihnen in ihrer Not beizustehen. Es geht darum, die Gefühle anderer zu teilen und ihnen zu helfen, wenn sie Unterstützung brauchen. Mitgefühl ist eine Form der emotionalen Unterstützung und des Trostes, die wir anderen Menschen anbieten können.

Mitleid ist eine Art von emotionaler Anteilnahme, die wir für jemanden empfinden, der in Not oder Schwierigkeiten ist. Es ist eine Form der Anteilnahme, die uns dazu veranlasst, Mitleid mit jemandem zu empfinden und ihm oder ihr vielleicht sogar finanziell oder praktisch zu helfen. Mitleid ist in der Regel eine Reaktion auf jemanden, der Schmerzen oder Leiden erfährt.

Zusammengefasst: Empathie ist die Fähigkeit, die Gefühle und Perspektiven anderer Menschen zu verstehen und sich in sie hineinzuversetzen. Mitgefühl ist die Fähigkeit, Mitleid mit den Leiden anderer Menschen zu empfinden und ihnen in ihrer Not beizustehen. Mitleid ist eine Art von emotionaler Anteilnahme, die wir für jemanden empfinden, der in Not oder Schwierigkeiten ist.

Der Empathie-Test: Wie empathisch bin ich eigentlich?

Diese Frage hat sich bestimmt jeder von uns mindestens 1 Mal im Leben gestellt. Aus diesem Grund habe ich einen Empathie-Test für Dich. Er beinhaltet nur wenige Fragen und Du kannst Dein Resultat anschliessend auch gleich auswerten.

  • Wenn ich einen Raum betrete, kann ich die Stimmung anderer Personen direkt wahrnehmen und einordnen?
  • Ich kann die Gefühle von einer Person nachvollziehen, auch, wenn ich mit ihrer Sichtweise nicht übereinstimme?
  • Ich kann nicht nur aus der verbalen Kommunikation, sondern auch an der Körpersprache die Gefühle von einer Person ablesen?
  • Menschen in meinem Umfeld haben keine Probleme damit, mir Geheimnisse oder andere wichtige Informationen anzuvertrauen?
  • In einem Streit bin ich auch dazu bereit, mir die Gegenseite anzuhören, auch wenn ich mit ihr nicht übereinstimme?
  • Meine Freunde schätzen mich als verständnisvoll ein?
  • Ich kann in Gesprächen einfach erkennen, wenn eine Person versucht mich anzulügen?
  • Ich bin in der Lage, die Motivationsgründe einer Person nachzuvollziehen, auch wenn ich mit ihr nicht übereinstimme?
  • Ich versuche in Konfliktsituationen immer die beste Lösung für beide Parteien zu finden?
  • Ich bin in der Lage zuerst zuzuhören und erst später meine eigene Meinung zu dem jeweiligen Thema zu bilden?

0 bis 2 Fragen mit einem “Ja” beantwortet: Falls das der Fall ist, dann lässt sich deine Empathie als “niedrig” einstufen. Das lässt sich jedoch verändern!

0 bis 5 Fragen mit einem “Ja” beantwortet: Deine Empathie ist mittelmässig. Mit den folgenden Tipps kannst Du Deine Fähigkeit, aber noch verbessern.

5-10 Fragen mit einem “Ja” beantwortet: Deine Empathie ist sehr gross.

empathy 985973 1280 1024x321 - Was ist Empathie – und was bedeutet sie für uns?

Empathie lernen – Schritt für Schritt

Nachdem wir einen Empathie-Test durchgeführt haben und den Begriff allgemein geklärt haben, wollen wir uns dem eigentlichen Thema widmen. Auch wenn Du momentan noch nicht allzu viel Empathie besitzt, bedeutet das nicht, dass Du nicht etwas an Deiner Situation ändern kannst. Empathie kann man lernen. Im Folgenden findest Du eine praktische Anleitung, wie Du auch im Alltag schrittweise Empathie erlernen kannst.

Nr.1 – Die Rollenspiele

Wenn Du Dich schwer in die Gefühls- und Gedankenwelt von einer anderen Person hineinversetzen kannst, sind Rollenspiele sehr hilfreich. Du kannst sie im Grunde überall durchführen. Alles, was Du brauchst, ist ein Partner, mit dem Du diese Rollenspiele üben kannst. Empfehlenswert ist eine Person, welcher Du auch wirklich vertrauen kannst. Wie bereits am Anfang klargestellt geht es dabei nicht darum, mit der Sichtweise von einer Person übereinzustimmen. Ein Perspektivenwechsel steht viel mehr im Vordergrund. Dein Partner versucht Dir zunächst einmal seine Gedanken, Gefühle, Intention und Sichtweisen zu schildern. Deine Aufgabe in dieser Phase ist das aktive Zuhören. Versuche Dich also vollständig auf das Gesagte zu fokussieren.

Im nächsten Schritt gibst Du nun die Gefühls- und Gedankengänge von Deinem Gegenüber wieder. Du kannst Dir bei diesem Schritt auch ruhig Zeit lassen. Als Letztes wird Dein Gegenüber Dir noch ein kurzes Feedback darüber geben, wie Du Deine Aufgabe gemeistert hast. Je öfter Du diese Rollenspiele durchführst, desto besser wirst Du in der Anwendung werden. Ein Rollenspiel eignet sich auch besonders gut bei Paaren. Wenn ein Konflikt im Raum steht, dann neigen wir besonders dazu, stur zu reagieren. Wir verharren in unserer eigenen Weltsicht, ohne einmal eine andere Perspektive zu betrachten. Wenn Du das Gefühl bekommst, dass Du und Dein Partner nur aneinander vorbeiredet, könnt Ihr gemeinsam ein Rollenspiel zum Einsatz bringen. Zunächst tragt Ihr einmal die gegenseitigen Sichtweisen vor. Danach versetzt Ihr Euch in die gegenseitige Position. Am Ende werdet Ihr eine gemeinsame Lösung für das Problem finden, mit der Ihr beiden zufrieden seid.

Nr.2 – Offen sein

Es gibt im Alltag dutzende Situationen, wo wir empathisch sein können. Wir nutzen diese Situationen nur viel zu wenig. Das gilt sowohl im privaten als auch beruflichen Bereich. Wenn Deine Arbeitskollegen oder Dein Chef ein Anliegen haben, dann ist das eine perfekte Situation, um Deine Empathie zu schulen. Du kannst einfach damit beginnen, aktiv zuzuhören. Das Gleiche gilt auch für Dein Privatleben. Wenn Du Situationen erkennst, wo Du empathisch sein kannst, solltest Du sie auch nutzen.

Nr.3 – Das aktive Zuhören

Im Alltag wollen wir ständig von anderen Menschen verstanden werden. Wir erwarten, dass andere Menschen uns gegenüber empathisch sind. Doch tun wir auch das Gleiche? In der Praxis bewährt sich, dass wir viel zu sehr mit unseren eigenen Gedanken beschäftigt sind. Oftmals wollen wir nur unsere eigene Sichtweise und Meinung zum Ausdruck bringen. Die Folge ist, dass wir auf andere Menschen weniger empathisch wirken. Das können wir verändern, indem wir anfangen, aktiv zuzuhören. Das aktive Zuhören verlangt, dass Du das gesprochene so wahrnimmst, wie es vom Gesprochenen kommuniziert wird. Danach kannst Du seine Sichtweise in Deinen eigenen Worten wiedergeben. Allein dieser kleine Trick wird Dich bei anderen Menschen um einiges empathischer wirken lassen. Du kannst diese Strategie sowohl im Privatleben als auch Berufsleben anwenden.

Nr.4 – Eine gesunde Mischung aus Zeit und Interesse

Empathie braucht Zeit. Zudem müssen wir auch unser Interesse zum Ausdruck bringen. Ansonsten wird es schwierig werden, wirklich authentisch zu wirken. Deswegen solltest Du Dir ausreichend Zeit einplanen, wenn Du versuchst ein tiefgründiges Gespräch zu führen. Versuche zudem Dein Interesse auf verbaler und nonverbaler Ebene zu kommunizieren.

Nr.5 – Meditation

Neurowissenschaftliche Forscher des Mount Sinai Medical Center in New York haben durch „Neuroimaging“ herausgefunden, dass während der Meditation „Empathie“-Bereich des Gehirns (die hintere Inselrinde) deutlich aktiver wird. Buddhistische Mönche wissen seit Jahrtausenden, was durch die westliche Wissenschaft bestätigt wird: Die innere Ruhe, die in der Meditation entsteht, lässt Dich Deine Emotionen bewusster wahrnehmen – so auch die Emotionen Deines Gegenübers.

Was bringt es Dir, empathischer zu sein?

Warum lohnt es sich überhaupt empathisch zu sein? Eine gute Frage, auf die es sehr viele Antworten gibt. Einige der wichtigsten Antworten habe ich für Dich im Folgenden näher erläutert.

Vorteil Nr.1 – Du wirkst sympathischer: Von anderen verstanden zu werden ist ein wichtiges soziales Bedürfnis von jedem Menschen. Wenn Du anderen Menschen zeigst, dass Du ihnen aktiv zuhören und sie verstehen kannst, wirst Du auch automatisch sympathischer wirken. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du Deine Empathie im Privatleben oder Berufsleben ausweitest.

Vorteil Nr.2 – Du kannst Konflikte besser lösen: Ist Dir schon mal aufgefallen, warum sich einige politische Konflikte niemals lösen lassen? Auf psychologischer Ebene lässt sich beobachten, dass beide Parteien nicht die Fähigkeit dazu besitzen, die andere Seite richtig zu verstehen. Ähnlich ist es mit unserem Privatleben. Wenn wir jedoch damit anfangen eine andere Sichtweise einzunehmen, werden wir auch Konflikte in der Zukunft besser lösen können. Sowohl in Beziehungen als auch in einem Arbeitsverhältnis kommt es darauf an, die andere Person nachvollziehen zu können. Zudem können Missverständnisse bereits vor der Eskalation aus der Welt geschaffen werden. Hier geht es zu meinem Beitrag: Umgang mit schwierigen Menschen.

Vorteil Nr.3 – Du kannst Deinen Standpunkt besser vertreten: Tatsächlich finden empathische Menschen bei anderen Personen schneller Gehör. Die meisten Menschen versuchen, jedoch von Anfang an Ihren Standpunkt zu vertreten. Genau das Gegenteil erreichen wir, wenn die Person beispielsweise eine ganze andere Meinung zu diesem Thema hat. Mit Empathie können wir es, jedoch schaffen eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu bilden. Wenn wir gegenüber einer anderen Person empathisch sind, dann wird diese Person auch dazu bereit sein, uns zuzuhören. Die Wahrscheinlichkeit, dass unser Gesprächspartner uns in einigen Punkten Zustimmung schenken wird, steigt damit auch.

Meditation macht empathisch

Meditation macht empathisch, weil es hilft, innere Ruhe zu finden und die eigene Perspektive zu verlassen. Wenn man regelmässig meditiert, lernt man, seine eigenen Emotionen zu beobachten, ohne sich von ihnen mitreissen zu lassen. Diese Fähigkeit kann dann auf andere Menschen übertragen werden, was es einem ermöglicht, sich in sie hineinzuversetzen und mitfühlend zu sein.

Nebst der Regulierung von Emotionen bringt Meditation auch weitere Vorteile:

  • Sie stärkt das Selbstwertgefühl
  • Sie verbessert die Konzentration
  • Sie lindert Stress und Angstzustände
  • Du fühlst Dich entspannter und ruhiger
  • Du kannst Dich besser auf die positiven Aspekte des Lebens konzentrieren

Interesse geweckt? Dann melde Dich doch für einen meiner Meditationskurse in Bern oder Solothurn an.

Schreibe einen Kommentar

0 Shares
Teilen
Teilen
Twittern
Pin