Unternehmergeist in der Schweiz

Wie steht es um den Unternehmergeist in der Schweiz? Werden viele neue Unternehmen gegründet? haben diese Erfolg? Woran scheitern Sie? Auf diese Fragen werde ich in diesem Artikel eingehen.

Unternehmergeist im Digitalen Zeitalter

In Medien, Politik und Öffentlichkeit ist oft von neuen und innovativen Unternehmen zu lesen und zu hören. Die Schweiz scheint hoffnungsvoll zu sein, dass das Unternehmertum auch im digitalen Zeitalter Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft fördern kann. Denn US-amerikanische innovative und Junge Unternehmen haben in den vergangenen Jahren gezeigt, wie sie bereits nach wenigen Jahren zu den «Grössten» gehören können. Ehemalige «Gründerfirmen» sind innert kurzer Zeit in der Lage wirtschaftlich erfolgreich zu sein um sich dann selber um die Förderung neuer Unternehmen zu kümmern. Ein Beispiel dazu ist die heutige Alphabet-Holding zu welcher auch Google gehört. Im Zusammenhang mit solchen Firmen fallen Schlagwörter wie «Entrepreneurship» und «Entrepreneurs» oder «Startups», welche oft ohne genaue Definitionen verwendet werden. Wie steht es also um die Förderung des «Unternehmertums» und der Innovation in der Schweiz?

Gründen

In der vierten Auflage des Magazins «Gründen», vom Herausgeber Journalistenbüro Niedermann, welche in einer Zusammenarbeit zwischen dem Departement für Volkswirtschaft und Inneres der Schweiz, der Basel Area, der Standortförderung Kanton Bern, Expert Suisse, dem Startup Campus, dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kanton Zürichs und Startupticker.ch entstanden ist, lauten die einleitenden Worte: «Die Schweiz ist auf gutem Weg, eine Nation der Unternehmer zu werden. Früher galt es als beinahe unverantwortbares Risiko, eine sichere Anstellung aufzugeben und sich auf das Projekt ‹Selbständigkeit› einzulassen. Doch diese Wahrnehmung ändert sich. So wird heute an den meisten Hochschulen das Erproben des unternehmerischen Denkens und Handelns ebenso wie der Transfer von Entwicklungen und Erkenntnissen in neue Produkte und Services vermittelt und begleitet. Auch im nichtakademischen Umfeld ist ein dichter Teppich von Begleit- und Unterstützungsangeboten entstanden, die Wissen vermitteln, den Austausch mit wertvollen Kontakten fördern und Projekte mitermöglichen: vom Wettbewerb über den Accelerator bis zum Startup-Weekend und vieles mehr.»[1] Da die Quellenangaben zu diesen Aussagen im genannten Magazin fehlen, wurde eine kurze Recherche mit folgendem Resultat gemacht:

Unternehmergeist im internationalen Vergleich

Der Unternehmergeist in der Schweiz ist schwach im internationalen Vergleich.[2] 45% der jungen Befragten erachten zwar die unternehmerische Laufbahn als gute Karrierewahl, aber nur 15% glauben, dass sie auch die nötigen Fähigkeiten dazu haben.[3] Laut dem ökonomischen Profil der Schweiz des «Global Entrepreneurship Monitors» sehen zwar 41.4% der Schweizer im Alter 18–64 Jahren gute Chancen, ein Unternehmen zu gründen, jedoch haben 31.2% der Befragten Angst davor, zu scheitern. Im internationalen Vergleich sind die Schweizer in der «Entrepreneurial Intensions Rate», also der prozentualen Anzahl derjenigen, die ein Unternehmen gründen wollen, auf Platz 59 von 65 untersuchten Ländern.[4] Mangelt es denn den Schweizern an guten Ideen?

Die Innovation in der Schweiz

Obschon der Unternehmergeist in der Schweiz schwach ist, mangelt es absolut nicht an guten Ideen. Denn seit sieben Jahren führt die Schweiz den Global Innovation Index an, welcher von der Cornell University, der WIPO und INSEAD herausgegeben wird und die Volkswirtschaften von 130 Ländern untersucht. Die Schweiz liegt vor Schweden, den Niederlanden, den USA und dem Vereinigten Königreich; und dies bereits seit dem Jahr 2011. Die Schweiz zeigt laut der Studie eine gute Leistung in den Bereichen Human Capital, Forschung, Infrastruktur, Entwicklungsstand und verzeichnete im 2016 die meisten Patentanmeldungen pro Einwohner (am Europäischen Patentamt).[5]

Zusammenfassung

Aus diesen Zahlen lässt sich vermuten, dass nicht der Mangel an Ideen, sondern die Angst vor dem Scheitern viele Schweizer davon abhält, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Diese Angst ist jedoch nicht unbegründet:

  • Die Planungs- und Vorbereitungsarbeiten bedeuten einen Mehraufwand und führen zu einer zusätzlichen Belastung neben den in der Schweiz durchschnittlich gearbeiteten 41 Stunden pro Woche.[6]
  • Oftmals sind hohe Investitionskosten notwendig.
  • Häufig fallen zusätzliche, nicht unmittelbar die Produktion betreffende Kosten an.
  • Viele Geschäftsfelder haben eine zu niedrige Gewinn-Marge.
  • Vielfach fehlt es an Skalierbarkeit in der Wertschöpfungskette (Beispiel: Pizza-Service).
  • Nur 15% glauben daran, dass sie «das Zeug» zum eigenverantwortlichen Unternehmer haben.[7]
  • Unsicheres Einkommen (die zweithäufigste Ursache für das Scheitern von Startups sind Geldprobleme).[8]

Weiterhin besteht bei einer Arbeitslosenquote von nur 3,2%[9] ein geringerer eigener Antrieb, sich selbständig zu machen, da die Arbeitnehmerschaft eine gewisse Sicherheit hinsichtlich eines regelmässigen Einkommens bietet und ein neuer Job aufgrund des in vielen Branchen herrschenden Fachkräftemangels relativ leicht zu finden ist.

Gemäss laufenden Analysen des Bureau of Labor Statistics[10] scheitern 50% aller Startups in den US innerhalb von fünf Jahren. Datengestützte Firmen wie Google und Facebook testen «Chancen» für neue Ideen in sogenannten Split-Tests oder A/B-Tests: Sie zeigen einem Teil der User die eine «Idee» und dem anderen eine «Alternative» und messen, welche häufiger geklickt oder intensiver genutzt wird als die bisherigen Seiten. Das Ergebnis aus den fortlaufenden Tests: Rund 90% aller neuen Seiten kommen bei den Usern «schlechter» an, als die bereits Bestehenden.

Eine Abfrage auf der Webseite des Daten-Dienstes «CB Insights» nach den häufigsten Gründen für Scheitern von Startups ergibt folgende Gründe, welche sich mangelnder Evaluation zuordnen lassen:

  • No Market need (Kein Bedarf)

  • get outcompeted (zu starker Wettbewerb)

  • poor product (schlechtes Produkt)

  • ignore customers (Kundenbedürfnisse nicht berücksichtigt)

  • product mis-timed (falscher Zeitpunkt)

  • bad location (falscher Ort)

  • no financing/investor interest (keine Finanzierung)

  • legal challenges (rechtliche Probleme)

Zusammenaddiert ist „mangelnde Evaluation“ der häufigste Grund für das Scheitern von Startups.

Wie kannst Du nun diese Risikofaktoren bei der Startup-Gründung minimieren? Findest Du in der Schweiz diesbezüglich Unterstützung, die für dich zugänglich ist? Diese Fragen werde ich dir im nächsten Artikel beantworten… hier geht zum Startup!

 

Quellen:

Marc Dietschi, Thesis «Online Vermarktung von Dienstleistungsprodukten mit einer Blue Ocean-Strategie basierend auf einer Kombination aus Minimum Viable Products (MVP), Human Centered Design (HCD) & Lean Management basierenden Business Modells: Evaluation und Interpretation der Skalierbarkeit und Machbarkeit», PHW Bern, 2018.

[1]        Niedermann/Martinecz Feher, 2016.

[2]        Tagesanzeiger, 2017.

[3]        Verein Startup Academy.

[4]        GEM, 2017.

[5]        S-GE, 2017.

[6]        BFS, Arbeitskräfteerhebung, 2017.

[7]        Zitat: Verein Startup Academy.

[8]        CB Insights.

[9]        SECO, 2018.

[10]      Bureau of Labor Statistics, 2016.

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