Was ist Human Centered Design?
Human Centered Design erklärt: nutzerzentrierte Prozesse, Ablauf, Grenzen, Abgrenzung zu Design Thinking – und wofür HCD im Online-Business taugt.
Human Centered Design (HCD) ist ein Design- und Management-Framework, das Lösungen entwickelt, indem es die menschliche Perspektive in jeden Schritt des Prozesses einbezieht. Ziel sind innovative Lösungen, die sich an tatsächlichen Bedürfnissen orientieren – nicht an Annahmen.
Der Mensch im Mittelpunkt
Im Management ist HCD eine menschenzentrierte Innovationskultur und Basis einer zukunftsorientierten Unternehmens- und Produktstrategie. Die Implementierung ist anspruchsvoll – und genau deshalb schwer zu kopieren. Damit kann HCD selbst zur USP werden.
Zentrale Fragen
Wie biete ich dem Kunden ein Angebot, das wirklich seinen Bedürfnissen entspricht? Was ist ihm wichtig? Im Mittelpunkt stehen Zuhören, Beobachten und Verstehen, auf rationaler und emotionaler Ebene.
Vom Bedarf zum getesteten Prototyp
Beginne mit einer konkreten Frage: Für wen soll das Angebot welche Aufgabe erleichtern? Daran richtest Du die Untersuchung aus.
- Vorhandenes Wissen sichten. Sammle in der sekundären Marktforschung, was über die Zielgruppe und bestehende Angebote bekannt ist. Halte fest, welche Fragen offenbleiben.
- Zuhören und beobachten. Untersuche diese Fragen in Interviews, Gruppen- oder Experten-Interviews (empirische Forschung). Frage nach dem bisherigen Vorgehen, den Schwierigkeiten und dem gewünschten Ergebnis. Trenne die Aussagen der Befragten von Deinen eigenen Annahmen.
- Das Problem eingrenzen. Verdichte die Informationen: Welche Schwierigkeit soll die Lösung zuerst beheben? Formuliere, was für die Nutzer besser funktionieren soll, und entwickle dafür verschiedene Lösungsideen.
- Einen Prototyp erstellen. Setze eine Idee so weit um, dass die Nutzer den entscheidenden Ablauf ausprobieren können. Richte den Prototyp auf die Frage aus, die Du im Test beantworten willst.
- Testen und überarbeiten. Hole bei den Beteiligten aus den Interviews Feedback zum Prototyp ein. Beobachte auch, ob sie damit die vorgesehene Aufgabe erledigen können. Halte fest, wo sie Schwierigkeiten haben und welche Änderung Du daraus ableitest. Teste den veränderten Ablauf erneut, bevor Du die Lösung vollständig umsetzt.
So bleibt nachvollziehbar, wie aus einer Beobachtung eine Entscheidung wird. Die Resultate eines Tests führen zurück zum Problem, zur Idee oder zum Prototyp, wenn die Lösung noch nicht funktioniert.
Ich habe Produktideen mithilfe von Social Media geprüft: Idee gestaltet, geteilt und nach Meinungen gefragt, verbessert, wieder geteilt und nach Meinungen gefragt, dann wiederum verbessert. Danach habe ich einen Prototyp produziert und den Kreislauf von vorne gestartet. So ist auch mein Meditationskurs entstanden.
Diese Vorgehensweise findet sich auch in der ISO 9241-210:2010(E), die 2010 die ISO 13407 «Benutzer-orientierte Gestaltung interaktiver Systeme» abgelöst hat.
Kritik am Human Centered Design
HCD allein führt oft zu Fehlentwicklungen, weil befragte Personen nicht wissen, was sie wollen oder brauchen. Substitutionsgüter denkt sich selten ein Endkunde aus. Henry Ford hat das pointiert formuliert:
«Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.»
Im Vergleich zum Design Thinking führt HCD seltener zu echten Innovationen. Nutzer wollen meist ein besseres bestehendes Produkt, nicht ein völlig neues. Das Resultat: bessere UX, aber kein neues Angebot.
Design Thinking zielt dagegen explizit auf innovative, kreative Lösungen, die Nutzeranforderungen treffen können und als Substitut funktionieren.
Online-Business mit Human Centered Design starten
Wenn Du ein Startup gründen oder eine Geschäftsidee evaluieren willst – oder die UX eines bestehenden Produkts verbessern willst – ist HCD eine kostengünstige Option. Über Social Media lässt sich heute direkt Marktforschung betreiben. Suchmaschinen helfen bei der Konkurrenzanalyse und zeigen schnell, ob die Idee tot oder ein Blue Ocean ist.
Die Möglichkeiten der Digitalisierung lassen Kundenbedürfnisse erkennen, MVPs (Minimum Viable Products) bauen und direkt am Zielpublikum testen.
Wie Du Dein eigenes Online-Business aufsetzt, steht im Beitrag «Online-Business starten».
Fazit zum HCD
Human Centered Design priorisiert die Perspektive der Nutzer und liefert dadurch Produkte und Dienstleistungen mit hoher UX. Im heutigen Wettbewerb hilft das, Kunden zu gewinnen und zu halten – und sich an verändernde Marktbedingungen anzupassen. Wer mehr dazu lesen will, findet weitere Ideen im Beitrag zur digitalen Transformation.