Executive MBA (EMBA): Heute noch sinnvoll?
Lohnt sich ein Executive MBA in der Schweiz? EMBA vs. MBA vs. MAS, Kosten, ROI und Alternativen – ehrlich eingeordnet aus eigener Erfahrung.
Heute waren die letzten Prüfungen im EMBA. Rückblickend ein paar Gedanken zu dieser Weiterbildung.
Der Executive Master of Business Administration ist eine Management-Weiterbildung, die auf Führungspositionen vorbereitet. Auch Kader-Leute ohne Erststudium kommen über eine „sur dossier“-Zulassung zu einem akademischen Grad. Oft wird der EMBA als Zweitstudium gewählt – die Klassen bestehen typischerweise aus Ärzten, Juristinnen und Wissenschaftlern mit Master in einer anderen Disziplin. Gemeinsames Ziel: Management- und Leadership-Skills aufbauen, um mehr Führungsverantwortung zu übernehmen.
Kurzentscheidung: EMBA, MBA, MAS oder MSc?
Wer in der Schweiz zwischen den Abschlüssen schwankt, hilft sich am Anfang mit einer simplen Zuordnung. Trennscharf ist sie nicht – aber als Startfilter taugt sie:
| Weg | Passt eher für | Stärke | Schwäche / Risiko |
|---|---|---|---|
| EMBA | Berufserfahrene Fach- und Führungskräfte, berufsbegleitend, mit Erststudium oder via „sur dossier“ | Breiter Management-Überblick, international anschlussfähiger Titel, sofort am Arbeitsplatz anwendbar | Hohe Studiengebühren, keine Bundessubvention, schwacher Effekt ohne realen Führungskontext |
| MBA | Ähnliche Zielgruppe, oft etwas jünger oder internationaler ausgerichtet, teils Vollzeit | International der bekannteste Management-Titel | Inhaltlich kaum vom EMBA trennscharf, Qualität streut stark zwischen Anbietern |
| MAS | Spezialistinnen, die sich in einem Fachgebiet vertiefen wollen, berufsbegleitend | Klarer Fachfokus, 60 ECTS als Weiterbildungsmaster, modular über CAS aufbaubar | Im Ausland kaum bekannt, international schwer verkaufbar |
| MSc | Direkt nach dem Bachelor, konsekutiv, akademisch ausgerichtet | Vom Bund subventioniert, akademisch breit anerkannt, eher günstig | Kein Weiterbildungsmaster, weniger Praxisanker, kein dedizierter Leadership-Fokus |
MAS und EMBA sind in der Schweiz Weiterbildungsabschlüsse auf Masterstufe; ein MSc ist dagegen ein konsekutiver akademischer Master. Wer noch keine Linie für sich findet, sollte zuerst die ehrlicheren Fragen unten anschauen – nicht die teuren.
Warum ein EMBA – und nicht der konsekutive Master?
Mit einem Bachelor of Science in Business Administration hätte ich auch einen konsekutiven MSc machen können. Der MSc gilt als Ausbildung und wird vom Bund subventioniert – der EMBA als Weiterbildung nicht. Inhaltlich überlappen MSc und EMBA in Business Administration heute stark. Worauf ich beim Entscheid geachtet habe:
- Macht ein EMBA überhaupt noch Sinn – und welche Alternativen gibt es?
- Kosten: Warum die teurere Weiterbildung statt der günstigeren Ausbildung?
- EMBA vs. MBA – wo liegt der Unterschied?
- EMBA vs. MAS – kleiner Unterschied, der im Ausland zählt.
- Bern, Zürich oder Fernstudium?
- Gibt es ein EMBA mit Vertiefung Marketing?
Da mein Fachgebiet das Online-Marketing ist, war der letzte Punkt zentral. Ausserdem: Warum ein Studium, wenn möglich, immer berufsbegleitend zu wählen ist.
Macht ein EMBA heute noch Sinn?
Lohnen sich 30’000 bis 100’000 CHF Studiengebühren? Über das Internet ist heute nahezu das gesamte Wissen der Menschheit zugänglich. Plattformen wie EDX stellen die Vorlesungen der besten Universitäten kostenlos bereit. Ein Computer mit Internetanschluss reicht.
Im Mittelalter konnte nur eine Elite lesen und schreiben – Wissen war Macht. Heute ist Wissen kostenlos, also nur noch potenzielle Macht. Wertvoll wird es erst durch die richtige Anwendung.
Akademiker vs. Praktiker
Auf der einen Seite Akademiker, die Wertschöpfung über neues Wissen anstreben. Faktisch wird oft bestehendes Wissen neu angeordnet – das, was man heute „Content-Spinning“ oder „Remixen“ nennt. Beides kann inzwischen eine KI ähnlich gut. Auf der anderen Seite Praktiker, die Modelle aus der Wissenschaft auf reale Probleme anwenden. Genau dort ist theoretisches Knowhow wertvoll: Kennt man die Methoden des Controllings oder der Firmenbewertung, lassen sie sich auf eine Kampagne, ein Projekt oder eine SEO-Massnahme übertragen, indem man die Parameter ersetzt.
Damit landet man beim vernetzten Denken: Technologie verändert sich schnell – das Knowhow für viele bestbezahlte Jobs gibt es an keiner Universität. Wer bereichsübergreifend denken und Wissen aus völlig anderen Feldern anwenden kann, ist im Vorteil. Manchmal sind Biologen die besseren Ökonomen oder Physiker die besseren Controller. Eine gute BWL-Ausbildung sollte also Methoden vermitteln, die sich in mehreren Feldern anwenden lassen.
Macht ein EMBA aus Dir einen Manager oder Leader?
Nein. Kein MBA macht jemanden automatisch zum Leader. Wer aber versteht, dass Gesellschaft, Organisationen, Individuen und sogar Zellen sich nach ähnlichen Mustern verhalten, kann Formeln neu parametrisieren und Wissen aus einem Feld in ein anderes übertragen. Praxisbezug ist heute wichtiger denn je: Gelerntes muss sofort anwendbar sein.
Ein Idiot mit einem Werkzeug bleibt ein Idiot.
Wie viel ist ein Diplom dann noch wert? Wer in ein Unternehmen will, das sich von Titeln blenden lässt, achtet auf maximalen Status. Wer sich entwickeln will, achtet auf Inhalte und Praxis.
EMBA vs. MBA vs. MAS
Der EMBA und der MBA sind beide Weiterbildungsstudiengänge mit betriebswirtschaftlicher Ausrichtung. Trotz intensiver Recherche lässt sich kein klar trennscharfer inhaltlicher Unterschied ausmachen – die Studieninhalte sind beidseitig nicht homogen genug. Der Begriff MBA ist international etwas verbreiteter (Suchvolumen-Daten via ahrefs.com).
EMBA vs. MAS
Ein EMBA bietet einen breiten Management-Überblick und einen interdisziplinären Ansatz. Ein MAS fokussiert dagegen meist auf ein Fachgebiet (Informatik, Finanzen, Marketing). Im Ausland ist der MAS als Abschluss kaum bekannt:
What the heck is an MAS?
Qu’est-ce que c’est qu’un MAS?
¿Qué diablos es un MAS?
Wer international unterwegs ist, hat es mit einem EMBA-Titel deutlich einfacher. Wenn Dich das Thema international weiter interessiert, lies den Beitrag zur interkulturellen Kommunikation.
Bern, Zürich oder Fernstudium?
Vor einigen Jahren ging ich an die Informationsveranstaltung der Fernfachhochschule für ihren EMBA und hatte den Studiengang ernsthaft in Erwägung gezogen. Nach Info und Gespräch in der Welle 7 wurde klar: Mit einem grossen Fernunterrichts-Anteil fehlten mir die zentralen Komponenten eines EMBA.
Auch der MSc in Wirtschaftspsychologie an der Kalaidos in Zürich kam in Betracht – Psychologie gewinnt im Leadership wie im Marketing an Stellenwert. Allerdings: Wer würde einen MSc in Wirtschaftspsychologie typischerweise einstellen? Am ehesten in HR. Und HR ist nicht mein Feld.
Am Ende fiel die Wahl auf einen EMBA mit möglichst breitem Management- und Leadership-Inhalt und direkter Anwendbarkeit im Beruf.
Berufsbegleitend studieren
Beide Abschlüsse – MBA und EMBA – sind berufsbegleitend möglich und faktisch deckungsgleich in der betriebswirtschaftlichen Ausrichtung. Das eigentliche Argument fürs berufsbegleitende Studium: Was man am Mittwochabend lernt, kann man am Donnerstag im Büro anwenden. Ohne Praxisanker bleibt vieles abstrakt.
Was kostet ein EMBA in der Schweiz?
Kurz vorweg: Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die Studiengebühren reichen je nach Schule von rund 30’000 bis 100’000 CHF. IMD MBA und EMBA HSG haben international einen guten Ruf. Im europäischen MBA-Ranking hat auch das EMBA der PHW in Bern stark abgeschnitten.
Welche Lohnerhöhung ist realistisch?
Auf der einen Seite Investitionskosten, auf der anderen ROI – wie viel ist der Titel einem Arbeitgeber wert? Repräsentative Zahlen gibt es kaum. Aus Gesprächen mit meinen Studienkollegen: im Schnitt 1’000 bis 3’000 CHF mehr Monatslohn – meist mit deutlich mehr Verantwortung. Wer noch 30 Jahre arbeitet, hat den Payback bei 1’000 CHF zusätzlich pro Monat nach knapp 360’000 CHF Mehrlohn erreicht. Bei 3’000 CHF und 13 Monatslöhnen entsprechend mehr.
Wer aber primär „schnell reich werden“ will, ist mit einem EMBA nicht optimal aufgestellt.
Opportunitätskosten
Ein EMBA bindet Zeit und Energie. Opportunitätskosten entstehen unter anderem durch:
- Zeit: ein Teilzeit-Studium neben dem Beruf reduziert Familie, Freizeit, Hobbys.
- Einkommen: weniger Berufszeit kann temporär weniger Verdienst bedeuten.
- Karriere: Während der Ausbildung können sich Karriereschritte ergeben, die wegen des Studiums nicht wahrgenommen werden.
Die reinen Studienkosten sind nur ein Teil des Bildes. Die Opportunitätskosten sind oft der grössere Posten.
Warum EMBA Business Engineering?
Gibt es ein EMBA mit Vertiefung Marketing? Es gibt Optionen wie den „MBA / EMBA FH mit Vertiefung in Marketing und Vertrieb von Banken“ an der Kalaidos – Banking ist nicht mein Umfeld. Der EMBA FH in Marketing Management an der Kalaidos kommt schon näher. Auch der Executive MBA „Smart and Digital Marketing“ an der FH Graubünden ist mit rund 17’500 CHF preislich attraktiv – nur liegt Graubünden nicht um die Ecke.
Übrig blieben zwei Vertiefungsrichtungen, beide an der PHW in Bern: EMBA General Management und EMBA Business Engineering. So wurde es das EMBA Business Engineering – über zwei Jahre, alle Prüfungen bestanden, Masterthesis als Co-Autorenschaft mit einer Ärztin abgeschlossen. Trotz erschwerter Bedingungen durch die Pandemie hat sich der Einsatz ausgezahlt.
Wann lohnt sich ein EMBA – und wann nicht?
Ein EMBA lohnt sich am ehesten in einer von drei Konstellationen:
- Aufstieg in eine Führungsrolle steht konkret im Raum. Nicht in fünf Jahren irgendwann, sondern verhandelbar mit dem aktuellen Arbeitgeber oder als Brücke in eine neue Funktion.
- Quereinstieg ins Management nach fachfremdem Erststudium. Ärztinnen, Juristen, Wissenschaftlerinnen, die operative Verantwortung übernehmen sollen, holen über den EMBA Methodenwissen nach, das sie sonst Jahre lang nebenher zusammensuchen müssten.
- International tätige Rolle. Der EMBA-Titel ist im Ausland einfacher erklärbar als ein MAS – speziell ausserhalb des deutschsprachigen Raums.
Eher nicht lohnen tut sich der EMBA in diesen Fällen:
- Reine Lohnrechnung. Wer den Payback nur über das Gehalt rechnet, sollte sehr nüchtern kalkulieren. Bei den 1’000 bis 3’000 CHF zusätzlichem Monatslohn aus dem eigenen Jahrgang dauert es Jahre, bis sich der Einsatz amortisiert hat – Opportunitätskosten nicht eingerechnet.
- Kein Führungskontext im Beruf. Ohne reales Anwendungsfeld zerfallen Cases, Modelle und Frameworks nach wenigen Wochen wieder in Vergessenheit. Was am Mittwochabend nicht am Donnerstag anwendbar ist, war akademische Verzierung.
- Erwartung an einen Status-Effekt. Wer hofft, dass der Titel auf der Visitenkarte das eigene Auftreten ersetzt, wird enttäuscht. Ein Diplom ersetzt weder Urteilskraft noch Umsetzung. Ein teures Diplom erst recht nicht.
- Reine Spezialisierung gewünscht. Wer in genau einem Fachgebiet tiefer werden will, fährt mit einem MAS oder einem CAS-Stapel gezielter und günstiger.
Faustregel: Der EMBA bringt am meisten, wenn Verantwortung bereits da ist und Methoden gesucht werden. Am wenigsten, wenn der Titel die Verantwortung beschaffen soll.
Beratung und Workshops
Inhabergeführten KMU in der Schweiz fehlen oft Ressourcen oder Knowhow, um Online-Marketing oder interne Weiterbildungen inhouse zu lösen. Wenn das auf Dich zutrifft, lies meinen Beitrag zum digitalen Wandel oder dazu, wie Du eine Geschäftsidee evaluieren kannst.