Scheitern als Chance: Versagensangst clever nutzen

Scheitern als Chance: Warum Versagensangst entsteht, was nach einem Fehlschlag hilft und wie Du Ziele so setzt, dass ein Rückschlag Dich nicht umwirft.

Ein Mann ist deprimiert, weil er ein angestrebtes Ziel nicht erreicht hat, und hält traurig seine Hände vor sein Gesicht.

Hast Du Angst vor dem Scheitern? Fast jeder kennt das: Du nimmst Dir etwas vor, bereitest Dich gut vor – und es geht trotzdem schief. Es schmerzt, und das Gefühl, schwach oder unfähig zu sein, kommt fast automatisch.

Gerade im Schweizer KMU-Alltag ist Scheitern oft negativ besetzt. Schon die Vorstellung, Erwartungen anderer nicht zu erfüllen, kann uns davon abhalten, eine Idee auszuprobieren.

Erfolgreiche Unternehmer

In den USA gilt mehrfaches Scheitern als Teil des Lernwegs. Dort wird das schlicht Unternehmergeist genannt. Bekannt ist die Anekdote, dass Edison auf dem Weg zur funktionierenden Glühlampe sehr viele Fehlversuche hatte.

«Ich habe nicht versagt. Ich habe gerade 10000 Wege gefunden, die nicht funktionieren werden.» Thomas Edison

Wer früh gelernt hat, Fehler als beschämend zu betrachten, tut sich auch später schwer damit, einen Fehlschlag einzugestehen.

Was ist also «Scheitern»?

Wenn etwas nicht so geklappt hat, wie wir es geplant haben, können wir nach anderen Wegen suchen. Ein früher Fehlversuch kann zeigen, was wir ändern müssen, bevor wir weitere Zeit und Ressourcen investieren.

Das fällt besonders schwer, wenn wir lange an einer Idee gearbeitet haben. Trotzdem lohnt es sich, zwischen dem misslungenen Versuch und dem Urteil über uns selbst zu unterscheiden. Aus «Das hat nicht funktioniert» muss kein «Ich kann das nicht» werden.

Wenn die Angst vor dem Rückschlag bremst

Vor einer Gründung, einem neuen Auftrag oder einer Prüfung können die Erwartungen so gross werden, dass wir den nächsten Schritt aufschieben. Statt die Aufgabe anzugehen, beschäftigen wir uns damit, was andere über einen Fehlschlag denken könnten.

Wer sich vor dem Morgen fürchtet, weil er versagen könnte, begrenzt seine Fähigkeiten.  Wer versagt, hat nur eines zu machen;  noch einmal, aber überlegter, von vorn zu beginnen.  Versagen ist keine Schande, nur die Furcht davor. Henry Ford

Erwartungen und Ziele prüfen

Zu viele Ziele im gleichen Zeitraum konkurrieren um unsere Aufmerksamkeit, Zeit und Ressourcen. Dazu kommen Erwartungen von Familie, Freunden, Arbeitgeber und Partner, die mit den eigenen Wünschen in Konflikt stehen können.

Wenn wir ein Ziel verfehlen, kann darunter auch unser Selbstvertrauen leiden. Dann setzen wir uns beim nächsten Mal vielleicht vorschnell kleinere Ziele oder versuchen, den Misserfolg zu verstecken. Prüfe deshalb: Welche Anforderungen gehören wirklich zur Aufgabe, und welche Erwartungen hast Du zusätzlich übernommen?

Ich bin oft gescheitert, an Dingen, die ich eigentlich nie wirklich gewollt hatte. Wichtig ist, dass man das Endziel vor Augen hat und nicht ein Zwischenziel mit dem Endziel verwechselt. So ist eine Maturitätsprüfung immer nur ein Zwischenziel. Genau mit solchen Zwischenzielen ohne Vision, was ich damit eigentlich möchte, bin ich mehrfach gescheitert.

Merkst Du auf dem Weg zum Ziel, dass sich die Umstände verändert haben, dann passe Deine Ziele den Gegebenheiten an. Auch die Entscheidung, eine Idee aufzugeben, kann nach einem Fehlschlag sinnvoll sein.

Was Du nach einem Fehlschlag tun kannst

Schau Dir an, welcher Teil Deines Vorhabens nicht funktioniert hat. Waren die Anforderungen unklar, fehlte Dir Wissen oder war die Zeit zu knapp? Daraus lässt sich eher ein nächster Schritt ableiten als aus dem pauschalen Urteil «Ich bin ein Versager».

Nach einem misslungenen Versuch kannst Du entscheiden, ob Du Deine Vorgehensweise änderst, Unterstützung suchst oder das Ziel neu setzt.

Den nächsten Versuch vorbereiten

Anforderungen als Zwischenziele: Kläre, was Du für Dein Ziel erfüllen musst. Setze Dir die einzelnen Anforderungen als Zwischenziele und schätze für jedes den Zeitbedarf. So kannst Du unterwegs prüfen, was Du bereits geschafft hast und wo Du mehr Zeit brauchst.

Time-Management: Es ist immer besser, sich eine gewisse Pufferzeit einzuplanen. Vor allem ist es wichtig, die Zeit überhaupt zu planen. Ich kenne unzählige Leute, die sagen, sie hätten keine Zeit, um gewisse Dinge zu erledigen – wenn man sie aber fragt, was sie denn alles zu tun hätten, stellt man fest, dass ihre Agenda beinahe leer ist. Wenn ich dann etwas nachhake, stelle ich regelmässig fest, dass sie sich einfach ablenken. Daher der Grundsatz: Erledige zuerst das Unangenehme! Dann hast Du auch nichts mehr, wovor Du Dich ablenken willst und viel mehr Zeit für Deine Zielerreichung.

Lerne: Frage Dich, was Du lernen und wissen musst, um Dein Ziel schneller zu erreichen. Die meisten Ziele benötigen ein gewisses Know-how und andere lassen sich viel schneller erreichen, wenn man den „Prozess“ optimiert. So musste ich mal eine 80-seitige Arbeit schreiben und ich bin echt nicht schnell im Tippen. So habe ich mich eine Stunde mit Spracherkennungssoftware beschäftigt und ein wenig am Ablauf „gepröbelt“ und hatte am Ende eine Lösung, mit der ich etwa Faktor 10 schneller war, als wenn ich alles eingetippt hätte.

Hindernisse, die auf Dich zukommen könnten: Dies können sowohl Menschen sein, die Dir in den Weg stehen wie auch schwierige Situationen, mit denen Du umgehen lernen musst. Überlege Dir auch, wo Du in diesen Situationen Unterstützung bekommen kannst. Dies kann zum Beispiel ein Mentor oder ein Experte sein, der sich in dem jeweiligen Bereich viel besser auskennt, als Du.

Verinnerliche Dein letztes Erfolgserlebnis: Obwohl wir manchmal scheitern, gelingt uns auch vieles, was wir uns vorgenommen haben. Wenn Du gerade nur den Fehlschlag vor Augen hast, erinnere Dich auch daran, was Dir bereits gelungen ist. Schliesse Deine Augen und versuche, Dich so gut wie möglich an diese Situation zu erinnern. Denke dabei an alle Sinneseindrücke, die Du gehabt hast. So rufst Du Dir einen konkreten Erfolg in Erinnerung, statt nur den letzten Fehlschlag zu betrachten.

Suche Dir einen Mentor: Ein Mentor muss nicht zwingend ein Coach oder eine Person sein, welche Du wirklich triffst. Ein Mentor kann Dich auch über Artikel, Videos und Bücher positiv beeinflussen. Am besten suchst Du Dir einen Mentor, der ebenfalls auf seinem Weg mehrfach gescheitert ist und dennoch heute seinen Traum lebt.

Entwickle neue Strategien: Überlege, was beim letzten Versuch nicht funktioniert hat und welche Änderung Du als Nächstes ausprobieren willst.

Eine Vision: Es zahlt sich aus, sich mental in die Zukunft zu versetzen: Frage Dich dazu, wie Du Dich fühlen würdest, wenn Du das Ziel bereits erreicht hättest. Frage Dich auch, was anders sein wird und wer alles davon profitieren würde. Spüre, wie Du Dich in dieser Zukunft fühlen würdest. Visualisiere einen ganzen Tag Deiner Zukunft in allen Details. Lasse keinen Deiner Sinne dabei aus. Je reeller Du Deine mögliche Zukunft wahrnehmen kannst, desto besser kannst Du im Hier und Jetzt auch eine passende Strategie entwickeln.

Reflektiere regelmässig: Setze Deine Strategie bis zum ersten Meilenstein um. Prüfe anschliessend, ob Du ihn in der geplanten Zeit erreicht hast und was Du an Deiner Vorgehensweise ändern musst. Je früher Du merkst, dass etwas nicht so klappt, wie Du es geplant hast, desto weniger Zeit hast Du verloren.

Fazit

Scheitern ist keine Pflichtübung auf dem Weg zum Erfolg – aber wenn es passiert, ist es oft die ehrlichste Rückmeldung. Wer Fehler analysiert, statt sie zu verdrängen, erkennt, was beim nächsten Anlauf anders laufen muss.

Wichtig ist: Scheitern als Teilstück und nicht als Endpunkt sehen. Wer dranbleibt, kommt fast immer weiter als jemand, der aus Angst vor Misserfolg gar nicht erst startet. Das gilt für die Gründung eines Startups genauso wie für die Frage, ob Du eine neue Geschäftsidee evaluieren sollst.

Wie ich in meinem Artikel über Angst bereits geschrieben hatte, kann uns die Sorge um die Erwartungen anderer beschäftigen. Weiterführende Beiträge sind Meditation und Angst und innere Unruhe.

Mehr aus Marketing

Mira: Lokale KI in der Schweiz neben Apertus

Mira und Apertus: wie viel KI die Schweiz lokal betreibt – mein Einzelprojekt mit Messdisziplin im Vergleich zu den grossen Schweizer Projekten.

ChatGPT in der Schweizer Wirtschaft: Chancen und Risiken

ChatGPT in der Schweizer Wirtschaft: Wo das Sprachmodell Firmen konkret hilft und wo Datenschutz, Abhängigkeit und Arbeitsmarkt zum Risiko werden.

Produktivität steigern: Methoden, die im Alltag wirken

Produktivität steigern ohne Selbstoptimierungsdruck: Priorisierung, Pausenmanagement, Delegation und Selbstreflexion – mit konkreten Methoden für den Alltag.