Vertrauen aufbauen: Bedeutung, Schritte und Tipps
Vertrauen aufbauen: Warum es trägt, was es behindert und wie Du Schritt für Schritt Vertrauen zu Dir selbst und in andere Menschen entwickelst.
Das Internet ist voll mit Zitaten zum Thema „Vertrauen“ – und gleichzeitig voll mit Apps, mit denen sich der Standort des Partners ungefragt herausfinden lässt. Vertrauen wird oft beschworen und ebenso oft unterlaufen. Mühsam verdient, schnell verspielt.
Im ersten Teil geht es darum, wie Du jemandem vertrauen kannst. Im zweiten Teil, wie Du dafür sorgst, dass Dir andere Vertrauen schenken.
Was ist Vertrauen – und warum es so wichtig ist
Eine kurze Definition aus der Organisationsforschung von Margit Osterloh und Antoinette Weibel lautet: „Vertrauen ist der Wille, sich verletzlich zu zeigen.“ Wer vertraut, geht ein Risiko ein und erwartet trotzdem Gutes. Vertrauen ist der Kitt, der Beziehungen und Zusammenarbeit überhaupt funktionieren lässt. Ohne Vertrauen entsteht entweder Kontrolle (mit hohem Preis) oder Distanz (mit emotionalem Preis). Authentizität und ein stabiles Selbstvertrauen sind die Voraussetzung dafür, dass wir anderen überhaupt vertrauen können. Bevor wir uns konkrete Schritte ansehen, lohnt der Blick auf die Hauptgründe, warum Vertrauen oft fehlt.
Die Hauptgründe, warum Du nicht vertrauen kannst
Grund Nr.1 - Du vertraust Dir selber nicht: Du machst Dir die ganzen Gedanken, wie Du bei anderen Menschen mehr Vertrauen aufbauen kannst, aber hast dabei immer wieder Schwierigkeiten? Dann könnte ein mangelndes Selbstvertrauen dafür die Ursache sein. Bevor wir damit anfangen, bei einer anderen Person Vertrauen aufzubauen, sollten wir uns fragen, ob wir uns selbst vertrauen. Wie stark vertraust Du in Dich selbst und in Deine Fähigkeiten? Siehst Du mit Zuversicht in die Zukunft oder plagen Dich ständig Zukunftsängste? Fühlst Du Dich in der Umgebung von fremden Personen wohl oder machst Du Dir ständig darüber Gedanken, was andere Menschen von Dir denken könnten? Falls Du einen Mangel an Selbstliebe hast, könnte ein mangelndes Selbstvertrauen die Ursache dafür sein, dass Du auch bei anderen Personen kein Vertrauen aufbauen kannst.
Grund Nr.2 - Dein Vertrauen wurde missbraucht: Wenn eine Person Dein Vertrauen missbraucht hat, dann fühlst Du Dich verletzt. Dies ist eine völlig normale Reaktion. Besonders stark trifft es uns, wenn es sich hierbei um eine Person in unserem engeren Freundeskreis oder Familienkreis handelt. Unbewusst bekommen wir das Gefühl, dass wir keiner anderen Person mehr trauen können. Auch wenn diese Annahme nicht der Realität entspricht, ist sie dafür mitverantwortlich, dass Du in Zukunft Mühe hast, Vertrauen zu einer Person aufzubauen.
Grund Nr. 3 – Du bist selber nicht authentisch: Verstellst Du Dich, um bei Deinen Mitmenschen besser „anzukommen“? Möglicherweise trainierst Du täglich eine Rolle, die nicht zu Dir passt – im schlimmsten Fall sogar den falschen Beruf. Wer Schwächen versteckt oder Dinge verschweigt, weil sie peinlich sind, baut auf Sand. Stehe zu Deinen Fehlern. Fatal wird es, wenn das Ego eigene Fehler nicht zulässt – dann verlieren Mitmenschen schrittweise das Vertrauen. Mehr dazu im Beitrag zu Authentizität.
Wie kannst Du Dein Vertrauen wieder aufbauen?
Wurde Dein Vertrauen missbraucht, dann hast Du vielleicht erstmal eine Wut in Dir, die Du mit Meditation abbauen solltest, indem Du Vergebung übst. Danach solltest Du Dein Selbstwertgefühl aufbauen und stärken. Erzähle Dir Deine eigene Geschichte mit all den Höhen und Tiefen, aus welcher Du am Ende als Held hervorgehst, als wäre es ein Film.
Wenn Vertrauen fehlt
Sechs Schritte zu neuem Vertrauen
Vorsicht und Kontrolle unterscheiden
Berechtigte Vorsicht von Misstrauen und ungefragtem Überwachen unterscheiden
Vergleich lassen
Werde die beste Version von Dir selber, statt anderen nachzueifern
Miteinander reden
Konflikte bei einem Gesprächstermin klären, nicht zwischen Tür und Angel
Ehrlich sein
Von Anfang an und dauerhaft ehrlich, auch wenn Du Dich damit verwundbar machst
Verlässlich sein
Immer pünktlich sein und Dich an Vereinbarungen halten
Authentisch sein
Fehler zugeben, und wenn Du etwas nicht weisst, sag es offen
Vertrauen aufzubauen ist Geduldsarbeit.
Schritt Nr.1 - Vorsicht und Kontrolle unterscheiden: Nach einem Vertrauensbruch kann Vorsicht berechtigt sein. Misstrauen bedeutet, an den Aussagen oder Absichten einer Person zu zweifeln. Kontrollierendes Verhalten beginnt dort, wo wir ihre Schritte ungefragt überwachen. In Beziehungen und Partnerschaften zeigt sich der Unterschied am Verhalten. Wir fangen an unseren Partner zu fragen, wohin er geht und unterstellen ihm Dinge, die er vielleicht niemals im Sinn hatte. Damit versauen wir uns nicht nur die positiven Überraschungen, die das Leben bringen kann, sondern setzen die Beziehung unter Druck. Bei einigen Menschen geht das so weit, dass sie auf illegale Apps zurückgreifen, um ihren Partner oder ihre Partnerin zu kontrollieren. Diese übermässige Eifersucht bringt jedoch die Beziehung eher früher als später zum Scheitern. Kontrollierendes Verhalten bei sich zu erkennen, ist ein erster Schritt. Der nächste Schritt besteht darin, diese Angst schrittweise abzubauen.
Schritt Nr.2 - Hör auf, Dich zu vergleichen: Vergleiche können nicht nur unser Selbstbild, sondern auch das Vertrauen in eine andere Person schwächen. Oftmals suchen wir uns dabei Vergleiche aus, die wir wertvoller als uns selbst erachten. Die Folge ist meistens Eifersucht, die wir dann unbewusst an unseren Partner oder an unsere Partnerin weitergeben. Anstelle des Nacheiferns versuchst Du die beste Version von Dir selber zu werden!
Schritt Nr.3 - Miteinander kommunizieren: Dieser Schritt hört sich in der Praxis einfacher an, als er tatsächlich ist. Miteinander zu kommunizieren ist der wichtigste Grundstein dafür, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Wenn wir einen Konflikt mit einer Person haben, versuchen wir dieser Person lediglich aus dem Weg zu gehen. Dadurch kann das Vertrauen ineinander fatal geschädigt werden. Deswegen ist es wichtig, miteinander zu kommunizieren – und zwar nicht zwischen Tür und Angel, sondern am besten bei einem Gesprächstermin. So können wichtige Dinge geklärt werden, die im Alltagsstress untergegangen sind. Hier findest Du Tipps, wie Du effektiver kommunizieren kannst.
Schritt Nr.4 - Ehrlich sein: Im Alltag versuchen wir oft Notlügen zu finden, weil wir uns nicht durch unsere Ehrlichkeit verwundbar machen wollen. In einigen Situationen erscheint uns diese Verhaltensweise zumindest temporär von Vorteil. Wenn wir aber mit einer wichtigen Person eine vertrauenswürdige Beziehung aufbauen wollen, sollten wir von Anfang und permanent ehrlich sein. Lügen haben meist kurze Beine! Du willst immerhin auch nicht in einer langen Freundschaft oder Beziehung belogen werden. Lügen sind daher Raubbau an Deiner Zukunft: Je später sie auffliegen, desto höher ist meist der Zins, den wir zu bezahlen haben. Warum solltest Du dann die liebsten Menschen in Deinem Umfeld belügen?
Schritt Nr.5 - Verlässlich sein: Verlässlichkeit wird immer wieder unterschätzt. Sowohl am Anfang von einem Berufsverhältnis als auch am Anfang einer Partnerschaft ist Verlässlichkeit, jedoch das A und O. Mit Zuverlässigkeit zeigen wir unsere Wertschätzung. Einer unverlässlichen Person trauen wir in der Regel auch weniger. Wenn wir daran arbeiten, immer pünktlich zu sein und uns an Vereinbarungen zu halten, dann werden wir bei der anderen Person auch einen viel besseren Eindruck hinterlassen und werden auch keine Notlügen benötigen.
Schritt Nr.6 - Authentisch sein: Das Wort ist zuvor schon ein paar mal gefallen. Authentizität steht im Mittelpunkt des Vertrauens. Es bringt meistens nichts, einer anderen Person etwas vorzumachen. Authentizität ist die wichtigste Grundlage, um Vertrauen aufzubauen. Wenn Du Dich als eine andere Person ausgibst, hochstapelst oder Dich verstellst, werden das sowohl Deine Arbeitskollegen als auch Dein Partner früher oder später bemerken. Zudem verringert sich auch Dein Selbstvertrauen, da Du nicht Dein wahres Ich preisgeben kannst. Also ein kleiner Teufelskreis!
Authentisch sein beinhaltet also Aufrichtigkeit – ein weiterer wichtiger Faktor, um Vertrauen aufzubauen. Wenn Du zu einer anderen Person aufrichtig bist und ihr die Wahrheit sagst, wird sie Dir in der Regel auch vertrauen. Aufrichtigkeit ist also gerade im beruflichen Kontext sehr wichtig. Wenn Du beispielsweise Fehler machst, solltest Du sie zugeben oder wenn Du etwas nicht weisst, kannst Du auch einfach offen zugeben, dass Du Dich nicht so gut auskennst. Denn Aufrichtigkeit zeugt von Mut und Integrität und bewirkt, dass wir einander mehr vertrauen.
Vertrauen und Integrität
Integrität bedeutet: Worte, Werte und Verhalten passen zusammen. Wer integer handelt, hält Versprechen auch dann, wenn niemand zuschaut, und korrigiert sich, wenn etwas nicht stimmt. Genau das ist die Basis, auf der andere Vertrauen schenken können – privat wie im Beruf.
Selbstvertrauen stärken mit Meditation
Mit Selbstvertrauen ist meist gemeint, dass Du Dir zutraust, etwas zu können; die Psychologie spricht auch von Selbstwirksamkeit. Der Selbstwert ist breiter: die Bewertung, die Du von Dir als ganzer Person hast. Beides hängt zusammen, und beides lässt sich üben. Meditation setzt dort an, wo Selbstzweifel entstehen: bei den Gedanken über Dich selbst.
- Atem beobachten: Ein paar Minuten beim Atem bleiben und bemerken, wenn ein Gedanke wie „Das schaffe ich nie“ auftaucht. Du übst, ihn zu sehen, statt ihm sofort zu glauben.
- Wohlwollen für Dich selbst: Die Metta-Meditation beginnt bei Dir: „Möge ich glücklich sein.“ Für viele ist das die schwierigste Stufe und gerade deshalb die wichtigste.
- Körper spüren: Ein kurzer Body-Scan bringt Dich aus dem Kopf in den Körper. Wer seinen Körper spürt, steht oft auch innerlich stabiler.
Mehr Übungen findest Du im Beitrag Selbstvertrauen stärken.
Im Vertrauen bleiben, wenn es wackelt
Vertrauen heisst nicht, nie zu zweifeln. Zweifel kommen, gerade nach einer Enttäuschung. Hilfreich ist, einen Zweifel erst einmal als Gedanken zu bemerken, bevor Du handelst: Was genau beunruhigt mich? Gibt es dafür einen Anhaltspunkt? Wenn ja, sprich ihn an. Wenn nein, lass ihn ziehen, ohne in Kontrolle zu kippen. Denn wo Vertrauen schwindet, wächst das Bedürfnis nach Kontrolle, und Kontrolle verbraucht genau das, was eine Beziehung trägt.
Jemand vertraut Dir nicht
Wie in der Einleitung bereits geschrieben, kann es vorkommen, dass Dir jemand nicht vertraut. Warst Du nicht immer ehrlich, so solltest Du reinen Tisch machen, indem Du folgende Anleitung befolgst:
Vertrauen nach Lügen wiederherstellen
Wenn eine Lüge aufgeflogen ist, beginnt der Wiederaufbau nicht mit Tipps, sondern mit einer ehrlichen Aussprache. Vier Punkte, die in dieser Reihenfolge tragen:
- Wahrheit auf den Tisch: Die Lüge benennen, ohne sie zu relativieren. Eine Entschuldigung ohne „aber“ wirkt mehr als jede Erklärung.
- Reden statt verteidigen: Im Gespräch geht es darum, zuzuhören, nicht sich zu rechtfertigen. Mehr dazu unter effektive Kommunikation.
- Zeit zugestehen: Vertrauen kommt nicht zurück, weil Du es jetzt willst. Druck verlangsamt den Prozess; Geduld beschleunigt ihn.
- Über Wochen konsistent bleiben: Worte sind günstig, Verhalten ist teuer. Erst die Wiederholung verlässlichen Verhaltens repariert das Bild, das die andere Person von Dir hat.
Tipps, um Vertrauen zu stärken
Drei Punkte, die im Alltag wirklich tragen:
- Zuverlässig sein: Was Du zusagst, hältst Du auch. Selbst kleine Termine zählen.
- Ehrlich und offen: Klare Aussagen, statt höflicher Halbwahrheiten. Das ist anstrengender, aber geradliniger.
- Empathie zeigen: Die Perspektive der anderen Person zur Kenntnis nehmen, auch wenn Du nicht zustimmst. Das ist der Unterschied zwischen Diskussion und Begegnung.
Quellen
- Osterloh, M. & Weibel, A. (2006): Investition Vertrauen. Prozesse der Vertrauensentwicklung in Organisationen. Wiesbaden: Gabler.
- Wikipedia: Vertrauen
- Wikipedia: Selbstwert
Fazit
Vertrauen aufzubauen ist Geduldsarbeit. Es entsteht durch viele kleine Belege – nicht durch eine grosse Geste – und es zerbricht oft an einem einzigen unsauberen Moment. Kleine Überraschungen und Aufmerksamkeiten sind einer dieser Belege. Wer in Beziehungen oder im Beruf Vertrauen pflegen will, beginnt am besten beim Selbstvertrauen: kleine Ziele setzen, sie einhalten, sich selbst zur Kenntnis nehmen.
Wenn das Thema mit alten Verletzungen zusammenhängt, kann ein Schritt zur Seite helfen – etwa ein Beitrag zum Vergeben oder eine kontinuierliche Meditationspraxis, die Dir hilft, Reaktion und Reflex auseinanderzuhalten. Bei tiefen Verletzungen ist eine therapeutische Begleitung der schnellere und nachhaltigere Weg als jeder Blogtext.
Häufige Fragen
Was bedeutet Vertrauen?
Eine bekannte Definition lautet: Vertrauen ist der Wille, sich verletzlich zu zeigen. Wer vertraut, geht ein Risiko ein und erwartet trotzdem Gutes von der anderen Person.
Wie kann ich Vertrauen aufbauen?
Mit Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und offener Kommunikation: Abmachungen einhalten, Fehler zugeben und Konflikte in Ruhe klären statt ihnen auszuweichen. Vertrauen wächst über Zeit und durch wiederholtes verlässliches Verhalten.
Wie kann Meditation das Selbstvertrauen stärken?
Meditation übt, selbstkritische Gedanken zu bemerken, statt ihnen sofort zu glauben. Dazu kommen Übungen wie die Metta-Meditation, die mit Wohlwollen für Dich selbst beginnt, und der Body-Scan.
Wie stelle ich Vertrauen nach einer Lüge wieder her?
Die Wahrheit ohne Relativieren auf den Tisch legen, zuhören statt verteidigen, der anderen Person Zeit lassen und über Wochen konsistent verlässlich handeln.