Halten Dich Deine Freunde vom Erfolg ab?
Warum Dein Umfeld Deine Ziele bremsen kann und wie Du wächst, ohne Freunde zu verlieren: Glaubenssätze, Verlustangst und die gemeinsame Vision.
Freunde sind wichtig. Aber sind sie auch gut für Deine Ziele? Können sie Dich tatsächlich davon abhalten, erfolgreich zu sein? Schauen wir genauer hin.
Hast Du manchmal das Gefühl, Du wärst ohne Deine Freunde weiter? In vielen Situationen sind Freunde hilfreich: Sie fangen Dich auf, wenn es Dir schlecht geht, und helfen Dir dort, wo sie etwas besser können als Du. Und genau hier liegt der Haken: Niemand will eine gute Freundin oder einen guten Freund verlieren. Sehen Deine Freunde, dass Du Dich veränderst und Erfolg hast, entsteht in ihnen die Angst, Dich verlieren zu können.
Stell Dir das Leben wie eine gemeinsame Segeltour auf unruhiger See mit Deinen Freunden vor, nur dass jeder auf seinem eigenen Segelschiff sitzt — und einer Deiner Freunde zieht davon … Würdest Du ihr oder ihm nicht nachrufen, sie oder er solle sich nicht entfernen?
So sorgen wir uns auch im echten Leben um unsere Freunde. Wir wollen sie nicht verlieren — und stehen ihnen deshalb manchmal im Weg oder halten sie von ihrem Erfolg ab. Meist ganz ohne böse Absicht.
Problem 1: Der Einfluss Deiner Freunde auf Dich
Von klein auf wachsen die meisten von uns mit einem bestimmten Freundeskreis auf, und den behalten wir in der Regel bei. Auch wenn sich unsere Interessen und Ziele verändern, lösen wir uns innerlich selten von diesen Menschen.
Vorweg: Dieser Artikel ist keine Anleitung, Deine Freunde hinter Dir zu lassen. Das wäre in den meisten Fällen auch unsinnig. Eine der längsten Langzeitstudien überhaupt, die Harvard Study of Adult Development, kommt seit über 80 Jahren zum immer gleichen Befund: Enge Beziehungen sagen Zufriedenheit und Gesundheit besser voraus als Geld oder Status. Gute Freundschaften sind kein Hindernis für ein gutes Leben — sie sind seine Grundlage. Dem Thema «Wie Du Freunde findest und für Dich gewinnst» habe ich deshalb einen eigenen Artikel gewidmet.
Die Glaubenssätze Deiner Freunde
Unsere Mentalität prägen vor allem die Menschen, mit denen wir am meisten Zeit verbringen. Meine Grossmutter hat dazu immer gesagt:
«Sag mir, mit wem Du Dich umgibst, und ich sage Dir, wer Du bist!»
Diese Menschen leben Glaubensmuster vor, die wir in den meisten Fällen unbewusst übernehmen. Es lohnt sich zu prüfen, ob diese Glaubenssätze Deine Ziele fördern oder ihnen im Weg stehen.
Ein Beispiel: Du nimmst Dir mehr Bewegung im Alltag vor, verbringst Deine Freizeit aber mit Menschen, die vor dem TV sitzen und bei jeder Form von Sport die Augen rollen. Dann wird das Dranbleiben schwer — nicht, weil Dir Disziplin fehlt, sondern weil Du jeden Tag gegen die Normalität Deines Umfelds anläufst. Würdest Du Dich stattdessen mit Kraft- und Ausdauersportlern umgeben, sähe das Endergebnis wahrscheinlich anders aus: Dort ist Training der Normalfall, nicht die Ausnahme.
Problem 2: Die Angst Deiner Freunde, Dich zu verlieren
Bleiben wir beim Beispiel. Angenommen, die Person sucht sich zusätzlich Freunde, die sie bei ihrem Vorhaben unterstützen. Sie erreicht ihre Ziele womöglich schneller — und identifiziert sich bald besser mit den neuen Kollegen als mit den Fast-Food-liebenden «Netflixern». Die alten, vielleicht wirklich guten Freunde merken das und intervenieren. Sie sehen eine Freundschaft schwinden. Und je nachdem, wie sie intervenieren, haben sie damit sogar Erfolg — das Ziel ist vom Tisch, die Runde wieder komplett.
Das ist selten Böswilligkeit. Es ist Verlustangst.
Mit der Angst Deiner Freunde umgehen
Du hast mehrere Möglichkeiten, mit dieser Angst umzugehen. Die schlechteste wäre, Dich komplett von Deinen Freunden abzuwenden. Besser ist der Klassiker aus Management und Leadership: «Mache Betroffene zu Beteiligten.» Teile Deine Erfolge — und auch Deine Rückschläge — möglichst früh und oft. Das nimmt Deinen Freunden die Angst, Dich zu verlieren, und vielleicht motivierst Du die eine oder den anderen, ein Stück des Weges mitzugehen.
Wachsen, ohne Freunde zu verlieren
Persönliche Weiterentwicklung und alte Freundschaften schliessen sich nicht aus. Drei Dinge tragen dabei mehr als jede Technik:
- Sag, was sich ändert — und was bleibt. Verlustangst wächst im Ungewissen. Wenn Deine Freunde wissen, welcher Abend neu dem Training gehört und welcher gemeinsame Termin unangetastet bleibt, hat ihre Fantasie weniger Raum für Abschiedsszenarien.
- Halte Fixpunkte, die nichts mit Deinem Ziel zu tun haben. Ein regelmässiges gemeinsames Essen oder eine Velotour signalisiert: Die Freundschaft hängt nicht davon ab, ob ihr dieselben Ziele verfolgt.
- Missioniere nicht. Nichts strapaziert alte Freundschaften schneller als der Versuch, alle zu bekehren. Dein neues Verhalten darf sichtbar sein — es muss kein Programm für andere werden.
Zeit für die eigenen Ziele bleibt trotzdem Voraussetzung: Ohne sie wirst Du nicht besser. Es geht nicht darum, Dich für Deine Freundschaften aufzugeben, sondern beides bewusst zu pflegen.
Eine Abgrenzung gehört an diese Stelle: Dieser Artikel handelt von gut gemeinter Bremserei aus Verlustangst. Wenn Dich jemand systematisch kleinmacht, Deine Erfolge abwertet oder kontrollieren will, mit wem Du Deine Zeit verbringst, ist das kein Kommunikationsproblem, das sich mit Transparenz löst. Für solche Muster lohnt sich der Beitrag über den Umgang mit schwierigen Menschen — und im Zweifel eine neutrale Aussensicht.
Die Lösung: Die gemeinsame Vision
In meinen Meditationskursen gehe ich immer auf die Zielsetzung ein. Ein Punkt dabei: Wie definierst Du Ziele so, dass Deine Freunde und Du gleichermassen davon profitieren? Dazu gehört, vollkommen ehrlich zu sein und Dein Endziel transparent zu kommunizieren, statt es zu verstecken.
Du wirst schnell merken, wer sich Deiner Vision anschliesst und wer Dich davon zu überzeugen versucht, dass es eine schlechte Idee sei. Höre Dir die Argumente der Kritiker genau an. Manchmal steckt echte Kritik darin, mit der Du Deine Idee schärfen kannst. Manchmal ist es nur eine übernommene Überzeugung, von der Du Dich nicht demotivieren lassen solltest. Der Unterschied ist erkennbar: Echte Kritik benennt ein konkretes Problem — ein Glaubenssatz sagt bloss «das geht nicht» oder «das ist nichts für Leute wie uns».
Wenn Du Dir genau überlegt hast, wie Deine Freunde von Deiner Vision profitieren, kannst Du sie meist einfach überzeugen. Sie sehen dann, dass sie ein Teil Deiner Zukunft sind — und die Angst, Dich durch Deinen Erfolg zu verlieren, verliert ihre Grundlage. Wie Du Ziele überhaupt so formulierst, dass sie tragen, beschreibt der Beitrag «Ziele erreichen».
Fazit
Der Einfluss Deines Umfelds auf Deine Ziele ist real — aber die Wahl heisst nicht «Freunde oder Erfolg». Prüfe, welche Glaubenssätze Du unbewusst übernommen hast. Nimm Deinen Freunden die Verlustangst, indem Du sie beteiligst, statt sie vor vollendete Tatsachen zu stellen. Und feile so lange an Deinem Ziel, bis auch kritische Freunde ihren Platz darin erkennen. Dann werden aus potenziellen Bremsern die besten Motivatoren und Unterstützer — denn dazu sind Freunde da.
Und falls Du Unternehmer bist, viel Zeit in Deiner KMU verbringst und das Gefühl hast, Trends, Kunden oder Mitarbeitenden immer ein wenig hinterherzulaufen: Dabei unterstütze ich Dich gerne — melde Dich.
Quellen
- Harvard Gazette (2017): Over nearly 80 years, Harvard study has been showing how to live a healthy and happy life — zentrale Befunde der Harvard Study of Adult Development: Beziehungsqualität als stärkster Prädiktor für Zufriedenheit und Gesundheit.