Suchmaschinenoptimierung: SEO-Grundlagen für KMU
SEO-Grundlagen für KMU: Keywords, On-Page, interne Verlinkung und lokale SEO Schweiz. Pragmatisch, ohne Versprechen auf Platz 1.
SEO steht für „Search Engine Optimization”, auf Deutsch „Suchmaschinenoptimierung”, und bezieht sich auf die Methode, die Sichtbarkeit einer Website in den organischen (nicht bezahlten) Suchergebnissen von Suchmaschinen wie Google oder Bing zu verbessern. Das geschieht durch die Optimierung von Faktoren wie Keywords, Meta-Tags, Inhalten und Links, um die Relevanz für bestimmte Suchbegriffe zu erhöhen.
Was will man mit SEO erreichen?
Google ist die meistverwendete Suchmaschine und verarbeitet täglich Millionen von Suchanfragen. Gesucht wird mehrheitlich nach den aktuellen Bedürfnissen der Suchenden. Im Gegensatz zur Erhebung durch Umfrage oder Interview erfährt man so vergleichsweise direkt, wonach Internet-User aktuell tatsächlich suchen.
Es gibt Begriffe, die werden öfter und andere seltener gesucht. So hat zum Beispiel das Wort „Meditation” weitaus das höhere Suchvolumen als z. B. „Meditation lernen in Bern”. Wenn Du jetzt einen Meditationskurs in Bern auf Deiner Webseite anbietest, willst Du wahrscheinlich Besuchende, die über Google auf Deine Webseite kommen. Das nennt man organischen Traffic. Diesen siehst Du in der Search Console oder in Google Analytics.
Laut diversen Studien klicken Userinnen und User am häufigsten auf die ersten Resultate auf der ersten Seite. Daher ist es sinnvoll, möglichst weit vorne angezeigt zu werden – am besten unter den oberen organischen Treffern. Das ist nicht trivial, selbst wenn Du Deine Kundinnen und Kunden gut kennst und weisst, wie sie ihre Bedürfnisse formulieren. Diese Formulierungen sind die Keywords, für die Du „ranken” willst.
- Wie schwierig ist SEO wirklich?
- Kannst Du es selber machen?
- Was kostet SEO?
Was ist SEO?
SEO lässt sich in einer einfachen Analogie beschreiben: Es ist ähnlich wie beim wissenschaftlichen Arbeiten – je öfter Du zitiert wirst, desto wichtiger scheint Deine Arbeit zu sein. Dieses Prinzip macht sich Google zunutze, nur dass anstelle von Zitaten und Quellenangaben Links treten. Wird Deine Seite oft verlinkt, ist Google geneigt anzunehmen, dass die Seite relevant ist. Wenn die Seite zusätzlich von themenrelevanten, vertrauenswürdigen Seiten verlinkt wird, ist das ein starkes Signal.
Das war eine grobe Vereinfachung. Die Algorithmen sind in den letzten Jahren deutlich komplexer geworden. Inzwischen spielen Qualität der Texte und Bilder, Sprache, Region, Branche, Alter der Webseite, Aktualisierungsfrequenz, Originalität (Plagiate werden erkannt) und die Quelle der Verlinkungen eine zentrale Rolle.
Google-Ranking einfach erklärt
Google funktioniert als Plattform zur Informationsbeschaffung. Userinnen und User geben Suchbegriffe ein und bekommen eine sortierte Trefferliste. Die Abfrage wird mit den indexierten Webseiten der Suchmaschine abgeglichen, und verschiedene Algorithmen bewerten, welche Seiten am besten zur Anfrage passen. Aus der Datenbank werden die Ergebnisse in der Reihenfolge der errechneten Signifikanz angezeigt – das nennt man auch das Ranking. Anschliessend wird das Klick- und Verweildauerverhalten ausgewertet und fliesst in die Bewertung zurück.
In der Search Console kannst Du das durchschnittliche Ranking aller Seiten Deiner Domain anzeigen lassen sowie das Ranking für einzelne Keywords. Die Daten sind typischerweise einige Tage alt. Je niedriger die Position, desto weiter „vorne” wird Deine Seite ausgespielt.
Warum Ranking ein Business ist
Internet ist zu einem zentralen Informationsmedium geworden. Informationssuchende wollen qualitativ hochwertige Resultate. Damit Suchmaschinen die Qualität von Informationen automatisch bewerten können, wurden inhaltsspezifische Bewertungskriterien entwickelt. Die Idee dahinter ist alt: Bereits in den 1950ern wurde die Wichtigkeit einer wissenschaftlichen Information daran gemessen, wie oft sie in anderen Publikationen zitiert wurde. Die Google-Gründer haben diese Idee aufs Web übertragen. Eine Seite wird als wichtig eingestuft, wenn andere wichtige Seiten sie empfehlen – und Empfehlungen sind im Web Links. Dieses Verfahren ist als PageRank-Algorithmus bekannt geworden.
Veränderungen im Google-Ranking
Google rollt regelmässig Algorithmus-Updates aus, nicht alle haben einen gleich starken Einfluss auf die Suchergebnisseiten (SERPs). Bekannte Updates der vergangenen Jahre:
- Panda (2011): bewertet Seiten nach Inhaltsqualität und erkennt Plagiate.
- Penguin (2012): identifiziert Webseiten mit unnatürlichen Linkprofilen und straft sie ab.
- Pirate (2012): straft Seiten mit Urheberrechtsverletzungen ab.
- Pigeon (2014): nutzt Ort und Entfernung als Faktor (zunächst v. a. für englische Suchen).
- Mobile Friendly Update (2015): Mobile-Freundlichkeit als Faktor für mobile Suchen.
- Possum: lokale Ranking-Anpassungen je nach physischem Standort.
- RankBrain: Machine-Learning-basierte Interpretation von Suchanfragen.
Trotz aller Updates bleiben qualitativ hochwertige, themenrelevante Backlinks ein wichtiger Faktor. Backlinks von themenfremden, niedrigqualitativen Seiten werden zunehmend abgewertet oder ignoriert.
Bedeutung von Content für SEO
Die Qualität der Inhalte spielt eine immer wesentlichere Rolle. Moderne Algorithmen analysieren den Inhalt der Seiten. Es reicht nicht mehr, Keywords auf eine Seite zu packen und auf Top-Platzierungen zu warten. Wenn Du sinnvolle Texte mit echtem Nutzen schreibst, ist das die nachhaltigere Strategie. Werden solche Texte gezielt erstellt, spricht man von Content-Marketing.
SEO läuft über Deine Keywords
Es gibt zwei Arten von Keywords: „Long-Tail” und „Short-Tail”. Reine Optimierung auf eine der beiden Klassen ist riskant, weil Algorithmus-Updates die Gewichtung über Nacht verändern können. Erfahrungsgemäss sind Erfolge mit Short-Tail-Keywords kurzfristiger, weil diese Keywords stark umkämpft sind. Ein Beispiel für ein Short-Tail-Keyword ist „SEO”. Ein Long-Tail-Keyword wäre „aquarium reparatur in bern”. Bei welchem der beiden hast Du realistisch eine Chance auf einen Top-Treffer?
Kürzere Keywords haben oft ein viel höheres Suchvolumen. So hat zum Beispiel auf marcdietschi.com ein Beitrag, der auf das Keyword „Meditation” optimiert war, zeitweise viel organischen Traffic eingebracht.
Suchmaschinenanzeigen vs. organische Treffer
Bei vielen Suchen werden zuerst bezahlte Anzeigen angezeigt. Die als „Anzeige” gekennzeichneten Einträge sind Google-Ads-Werbung. Darunter folgen die organischen Treffer. Studien zeigen: Die ersten organischen Treffer erhalten typischerweise die meisten Klicks. Bei Short-Tail-Suchen steht hier oft Wikipedia.
Finde Deine Keywords
Frage Dich: Ist es sinnvoll, gegen Wikipedia anzutreten? Oder ist es klüger, Dich auf eine Region (lokale SEO) oder Nische zu spezialisieren? Wer Keywords intelligent auswählt, kennt das Suchvolumen und die Stärke der Konkurrenz.
Kann man Backlinks „kaufen”?
Eine Überoptimierung wird von Google früher oder später erkannt und abgestraft – Deine Seite wird dann schlecht oder gar nicht mehr gefunden. Trotzdem gibt es unzählige Dienste, die schnellen Erfolg versprechen. Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Manuelle Massnahmen seitens Google sind heute zwar seltener; die Algorithmen erledigen sehr viel automatisch. Ob Deine Seite wegen unsauberer Linkpraxis abgestraft wurde, kannst Du in der Search Console prüfen.
Kleines SEO-Tutorial
Sollst Du SEO selbst machen oder auslagern? Wenn Du Dich an eine externe Person oder Agentur wendest, beachte: Diese Person bekommt typischerweise weitreichenden Zugriff auf Deine Webseite, Search Console und Analytics. Vertrauen und transparente Reportings sind Pflicht. Echte SEO mit hochwertigem Content ist Aufwand und entsprechend nicht günstig.
Schritt 1: Long-Tail-Keywords finden
Wenn Du passende Keywords finden willst, mach Dir klar, was Du anbietest, was der Nutzen Deiner Webseite ist und wie Leute danach suchen.
Schritt 2: Keyword-Brainstorming
Sammle alle Keywords, die Inhalt und Angebot Deiner Webseite beschreiben, in einer Tabelle.
Schritt 3: Keyword-Recherche-Tools
Nutze ein Keyword-Recherche-Tool Deiner Wahl. Stelle Sprache und Land richtig ein, gib Deine Keywords ein und sammle die Vorschläge, die zu Deinem Angebot passen, in Deine Tabelle. Wiederhole das mit weiteren Seed-Keywords.
Schritt 4: Drittpersonen befragen
Frage Personen ausserhalb Deines Unternehmens, wonach sie suchen würden, wenn sie Deine Dienstleistung bräuchten. Sie haben eine andere Perspektive auf Dein Angebot. Wiederhole anschliessend Schritt 3 mit den neuen Begriffen.
Schritt 5: Suchvolumen prüfen
Speise Deine Keyword-Tabelle in den Google Keyword Planner ein und schaue, wie oft nach den Long-Tail-Keywords gesucht wird. So kannst Du den potenziellen Traffic abschätzen, falls Du es schaffst, in den Top-Treffern zu landen. Alle Keywords ohne nennenswertes Suchvolumen kannst Du löschen.
Schritt 6: Konkurrenz prüfen
Die beliebtesten Keywords (sehr hohes Suchvolumen) bringen nur etwas, wenn Deine Domain bereits stark ist (Alter, Backlinks, Themenautorität). Sonst lohnt sich der Fokus auf die „goldene Mitte” – Keywords mit relevantem Suchvolumen und überschaubarem Wettbewerb. Tools wie SEOQuake im Browser helfen, die Stärke der Konkurrenzseiten direkt in den SERPs einzuschätzen (Anzahl Backlinks, Domain-Alter, ob das Keyword im Title vorkommt etc.).
Schritt 7: Seite auf Keywords optimieren
Du hast nun eine Liste mit SEO-Keywords, mit denen Du realistisch im Wettbewerb stehen kannst. Jetzt geht es ans Anpassen Deiner Webseite – die On-Page-Optimierung.
On-Page-SEO
Bevor wir uns um den Content kümmern, hier ein paar Basics, die unabhängig vom CMS gelten:
- Geschwindigkeit: Deine Webseite sollte schnell sein. Bilder verkleinern, unnötige Plugins deinstallieren, CSS/JS/HTML minifizieren, gzip-Komprimierung aktivieren, Caching nutzen.
- Search Console einrichten: Es ist das wichtigste kostenlose Controlling-Tool und zeigt direkt, ob Deine SEO-Änderungen wirken.
- Canonical URL setzen: Wenn Deine Seite unter mehreren Domains erreichbar ist, signalisiert die Canonical-URL, welche die primäre Variante ist – und verhindert Duplicate-Content-Probleme.
Wie optimierst Du Deine Webseiten?
Erstelle für Deine Keywords passende Textstücke. Achte auf Qualität – die Verweildauer fliesst in die Bewertung ein. Zu kurze, dünne Seiten ranken in der Regel schlecht.
Nun gilt für jede Seite:
- Das exakte Keyword steht im Titel der Seite (H1).
- Der Meta-Title ist der Titel in den Suchergebnissen. Eine Länge im Bereich 50–60 Zeichen ist üblich; das exakte Keyword sollte vorkommen.
- Das exakte Keyword sollte auch im ersten Abschnitt des Textes auftauchen.
- Untertitel (H2) enthalten das exakte Keyword sowie Long-Tail-Varianten.
- Unter-Untertitel (H3) enthalten verwandte Keywords (Latent Semantic Indexing, LSI) oder Long-Tail-Varianten.
- Am Ende der Seite kann ein Fazit/Schlussabschnitt stehen.
LSI, Aufwände und weitere Faktoren
Wenn der erste Teil der SEO solide ist, geht es an Feintuning. Latent Semantic Indexing (LSI), interne Verlinkung und weitere Faktoren spielen mit hinein.
Wie wichtig sind LSI-Keywords?
Suchmaschinen verwenden LSI, um den Kontext einer Suchanfrage zu verstehen. Eine Suche nach „Puma” kann die Marke, das Tier oder den Outlet meinen. Damit Deine Seite richtig eingeordnet wird, brauchst Du themenverwandte Begriffe in Deinem Text – nicht nur das Hauptkeyword. Wo findest Du diese Begriffe? Schaue Dir am unteren Rand der Suchergebnisse die Liste „Verwandte Suchanfragen” an oder nutze ein LSI-Tool. Notiere alle Begriffe, die zu Deinem Angebot passen, und baue sie in Deinen Text ein.
Wo gehören LSI-Keywords hin?
Die ersten und letzten Abschnitte Deiner Seite sollten zentrale LSI enthalten, damit für Leser und Suchmaschine schnell klar ist, worum es im Text geht. LSI gehören aber auch in andere Strukturelemente, etwa Zwischentitel.
Interne Verlinkung
Falls Du noch kein konsistentes Internal Linking hast, lege das an. Ein Menü mit gut benannten Seiten ist die Basis. Zusätzlich solltest Du Inhalte themenrelevant untereinander verlinken. Das hilft Suchmaschinen zu verstehen, welche Seiten zusammengehören.
URLs
Es ist hilfreich, das exakte Keyword in der URL zu haben – mit Augenmass. Eine saubere, lesbare Slug-Struktur ist langfristig zuverlässiger als Keyword-Stuffing.
Struktur der internen Verlinkungen
Eine bekannte Strategie ist die Silo-Struktur: thematisch zusammengehörige Seiten werden untereinander verlinkt, sodass für Suchmaschinen klar wird, wie der Content zusammengehört. Ob „Silo” exakt das richtige Modell ist, ist diskutabel; wichtig ist, dass Deine Seiten überhaupt sinnvoll untereinander verknüpft sind, sodass Autorität von einer Seite zur anderen weitergegeben werden kann.
Content für SEO
„Content is King” – nicht alles, aber sehr viel. Wenn Du nicht weisst, ob Du genug Text auf Deiner Seite hast, schaue Dir die ersten drei Treffer für Dein Keyword an und vergleiche Textlänge und Bildanzahl. Schreibe nicht „mehr um des Mehr-Schreibens willen” – schreibe, was Deine Zielgruppe wirklich braucht.
Ausgehende Links
Setze ausgehende Links bewusst. Externe Verweise auf grosse, etablierte Quellen (z. B. Wikipedia, behördliche Quellen) sind in vielen Fällen sinnvoll, um Aussagen zu untermauern. Eine sehr hohe Dichte an externen Links auf einer Seite kann hingegen kontraproduktiv sein.
Bilder-SEO
Verwende Bilder, die zum Inhalt passen. Vor dem Upload sinnvolle Dateinamen vergeben (z. B. suchmaschinenoptimierung.jpg). Setze ein alt-Attribut, das den Bildinhalt beschreibt. Beschreibe das Bild in Details, wo das Hauptkeyword sinnvoll integriert werden kann – aber ohne Keyword-Stuffing.
SEO für Google Schweiz
Wir Schweizerinnen und Schweizer haben einen Vorteil: Im Schweizer Index werden lokale Webseiten gegenüber Seiten aus DE oder AT bevorzugt, sofern sie korrekt als Schweizer Seiten signalisiert sind. Dafür ist mehreres relevant:
Spracheinstellung
Stelle sicher, dass die richtige Sprache und Region eingestellt sind. Auf Webseiten kann die Sprache zusätzlich über das hreflang-Attribut definiert werden.
Search Console
Im Setup der Search Console solltest Du die richtige Property-Variante anlegen (Domain-Property oder URL-Präfix). Die Console hilft auch bei der Fehlersuche – kaputte Links, indexierte URLs, CTR-Werte und mehr.
Hosting
Geschwindigkeit ist ein Ranking-Faktor. Ein günstiges Hosting irgendwo am anderen Ende der Welt ist nicht automatisch der beste Startpunkt. Wenn Deine Seite langsam lädt, springen Userinnen und User ab und kehren zur Suche zurück. Auch dieses Verhalten fliesst in die Bewertung ein.
Fazit
Ich empfehle, SEO selbst in die Hand zu nehmen, zumindest auf Konzeptebene. Die Vorteile:
- Kosteneinsparungen: Keine Agenturgebühren.
- Domänenwissen: Du kennst Dein Business besser als jede externe Person.
- Flexibilität: Du entscheidest, wann und wie Du Änderungen vornimmst.
Wer keine Zeit hat, kann mit einer vertrauenswürdigen Person oder Agentur zusammenarbeiten – idealerweise mit transparenten Reports und ohne „Backlink-Magie”-Versprechen.
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