Gesund bleiben durch Meditation

Diese “Umwandlung der Jing-Substanz in das Qi der Energie” stammt aus einem 2 Jahrtausende alten Text der chinesischen Medizin, der als “Buch des gelben Kaisers zu inneren Medizin” (Huángdì Nèijīng (chin. 黄帝内經)) bezeichnet wird. Diese Wissenschaft, auf welcher auch die bekannte Akupunktur basiert, soll uns dabei helfen, gesund zu bleiben oder Gesundheit wieder herzustellen.

Die Meditationstechnik dazu stammt aus der daoistischen Drachentor-Linie und wurde von Meister Wang Liping gelehrt, um uns dabei zu helfen, während des COViD-19-Ausbruchs gesund zu bleiben.

Die “antike” Methode der “Umwandlung der Jing-Substanz in das Qi der Energie” will dieser Artikel erklären. Danach folgt eine Anleitung, wie die Meditation auszuführen ist.

Der Zweck dieses Trainings ist es:

  • Jing-Substanz zur Qi-Energie zu verfeinern
  • Den Qi-Fluss zwischen dem Ober- und Unterkörper harmonisieren
  • Mit dem “rechtschaffenen” Qi den Körper füllen
  • Gesund zu bleiben

Achtung: Die später beschriebene Methode eignet sich nicht für Personen ohne Vorkenntnisse. Wenn Du meinen Grundkurs besucht hast oder z.B. das Wim Hof “Fundamentals Programm”, den “Progressive Workshop” von Dr. Joe Dispenza oder einen ähnlichen Kurs gemacht hast, dann sollte Deine Erfahrung mit Atemtechniken, Atem-Retention und Fokus auf und Kontraktion von gewissen Energiezentren ausreichen, um diese Übungen erfolgreich ausführen zu können.

Theorie

Die Restaurationsmethode von Yi-Jing-Bian-Qi von Huangdi Neijing

Huangdi Neijing lässt sich in eine auf der menschlichen Physiologie basierende Medizin und eine auf den Lebenswissenschaften basierende Medizin einteilen, die die Beziehung zwischen Mensch und Universum und die Beziehung zwischen Mensch und Himmel und Erde untersucht. Mit dem Wissen soll das Leben so weit wie möglich länger und gesünder gemacht werden. Es wird daher eine Erhaltung der Gesundheit angestrebt und nicht erst beim Auftreten einer Krankheit gehandelt.

Ein weiterer Teil des Buches, welcher sich mit den menschlichen Organen und Funktionen befasst, erklärt, was der Menschen tun solle, wenn er bereits eine Krankheit hat, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Dabei wird davon ausgegangen, dass nach der Genesung weiterhin physische, mentale Schäden an Meridianen, inneren Organe usw. bestehen bleiben können und daher auch repariert oder regulieren werden müssen, um die Ordnung im System wieder komplett herstellen zu können.

Das Yi-Jing-Bian-Qi (Umwandlung von Jing zu Qi)

Im Prozess der Reparatur müssen wir unsere eigene vitale Essenz (Jing-Qi) in unserem Körper und den Kreislauf des Blut-Qi wieder normalisieren. In diesem Stadium ist Yi-Jing-Bian-Qi die Methode, die wir anwenden müssen. In der Antike benutzten die Menschen ihren eigenen Geist (Yi-Nian), ihr Bewusstsein (Yi-Shi) und Shen-Yi, um die Lebensessenz (Jing-Qi) und das Blut-Qi (Qi-Xue) in ihrem Körper zu bewegen, um Meridiane, Eingeweide, Körperoberfläche usw. zu regulieren, um den ungeordneten Zustand des Qi-Mechanismus des Körpers zu verändern, ihn geordnet und normal zu machen.

Die drei Schritte des Yi-Jing-Bian-Qi

Schritt 1: Die Bewegung der Gliedmassen und des Rumpfes mit dem Geist anpassen (Yi-Nian), die Lebensessenz des Körpers anreichern (Jing-Qi) und unsere Fähigkeit zur Körperaktivität normaler machen.

Schritt 2: Passen Sie die Bewegung von Atem, Gliedmassen und Rumpf mit dem Geist (Yi-Nian), dem Bewusstsein (Yi-Shi) so an, dass die Lebensessenz (Jing-Qi) und das Blut-Qi frei zirkulieren können, und erreichen Sie allmählich den Zustand von weichem Atem, ruhigem Geist und lockerem Körper.

Schritt 3: Wir können unseren Geist (Yi-Nian), unser Bewusstsein (Yi-Shi) und Shen-yi dazu benutzen, die Lebensessenz (Jing-Qi) und das Blut-Qi (Qi-xue) in unserem Körper zu mobilisieren und es mithilfe unseres Bewusstseins (Yi-Shi) zirkulieren zu lassen, um die inneren Organe zu reparieren, Blockaden in den Meridianen zu lösen und das Qi im ganzen Körper frei zirkulieren zu lassen. Dadurch werden Die Organe und das Gewebe in unserem Körper bereichert und ihre physiologischen Funktionen verbessert.

Methoden

Yi-Jing-Bian-Qi kann verschiedene Arten erreicht werden. Hier verwenden wir eine daoistische Methode, welche die oberen und unteren Energiezentren (Jiao) justiert (Shang-Xia Liang-Xian). Es gibt vier Möglichkeiten, das obere und untere Jiao zu justieren – nämlich drei statische Methoden. Dazu gehören Stehen, aufrechtes Sitzen und Sitzen im Schneidersitz, sowie eine bewegte Methode. Die Atemtechniken und Visualisierungen, einschliesslich Bewusstsein (Yi-Shi), Geist (Yi-Nian), Shen-Qi und Shen-Yi, der drei statischen Methoden sind die gleichen. Diese werden im Anschluss erklärt.

Die korrekten Körperhaltungen zur Meditation

Stehende Körperhaltung

Natürlicher Stand (Wuji Zhuang): Füsse getrennt, schulterbreit oder etwas breiter als die Schulter. Die Arme sind natürlich hängend. Schultern, Arme, Ellbogen und Handgelenke sind entspannt und Handflächen nach innen gerichtet. Die Wirbelsäule aufrecht und gerade. Die Brust und Hüfte entspannt. Stehe leicht in den Knien und versuche mit den Füssen den Boden zu greifen.

Aufrechte Sitzhaltung

Setze Dich aufrecht auf einem Hocker. Die Beine sollten natürlich nach unten schauen und die Füsse entspannt auf dem Boden aufliegen. Die Finger beider Hände sind auf natürliche Weise getrennt, die Handfläche ist nach unten gerichtet und wird sanft auf den Schoss gelegt.

Sitzhaltung im Schneidersitz

Setze Dich in Schneidersitz, in den halben oder ganzen Lotossitz. Richte die Handflächen nach unten und lege die Hände sanft auf die Knie. Der ganze Körper ist entspannt.

Die Meditationsübung

Nachdem Du eine der oben beschriebenen Haltungen eingenommen hast, schaust Du mit offenen Augen geradeaus, so weit weg, wie Du kannst. Je weiter Du in die Ferne schaust, desto besser. Dein Geist (Yi-Nian/Gedanken/Fokus) ist somit weit entfernt. Suche den entferntesten Punkt im Universum und ziehe nun das entfernte Shen-Guang (Licht) langsam zurück, bis zwischen die beiden Augenbrauen und schliesse anschliessen sanft die Augen.

Sei zunächst ruhig, während Dein Geist (Yi-Nian/Gedanken/Fokus) Deine Atmung steuert. Atme bewusst, fein, gleichmässig und lang ein und aus. Das Ein- und das Ausatmen sollten gleich lang sein. Lassen Deinen Körper langsam entspannen, und bis das Herz langsam und gleichmässig schlägt. Starte nun mit dem ersten Übungssatz:

Anpassen des oberen Jiao (Mittleres Energiezentrum)

Während Du die Übungen im oberen Jiao machst, sollten Deine Augen geschlossen sein und nach vorne und leicht nach unten zur Brust schauen.

Erster Atemzug

Einatmen: Atme tief durch die Nase ein, mit dem Geist (Yi-Nian/Gedanken/Fokus) in der Brust und in den beiden Lungen. Spanne dabei Deinen Oberkörper langsam während des Einatmens an bis die Brust und die beiden Lungen komplett mit Luft gefüllt sind – dieser Zustand heisst “die goldene Kammer ist mit Qi gefüllt”. Wichtig dabei ist, dass Du einatmest, bis Du nicht weiter kannst und bei diesem Punkt die Muskulatur am Oberkörper so fest wie möglich anspannst.

Atem anhalten: Halte nun den Atem an. Während Du die Luft anhältst, benutze Deinen Geist (Yi-Nian), um die Rippen, den Brustkorb und die Lungen Stark zu vergrössern. Richte Deine Wirbelsäule während dieser Phase gerade auf, um auch physisch Deinen Brustkorb zu vergrössern. Halte die Luft so lange an, wie Du Dich dabei wohlfühlst.

Ausatmen: Atme nun sehr langsam durch die Nase (oder durch Nase und Mund) aus. Entspanne beim Ausatmen die Rippen, den Brustkorb, die Lungen und die Wirbelsäule. Entspanne Deinen ganzen Körper bis Du vollständig ausgeatmet hast.

Zweiter Atemzug

Einatmen: Atmen tief durch die Nase ein. Richte dabei Deinen Fokus, Geist (Yi-Nian) und das Bewusstsein (Yi-Shi) auf die Brust. Spanne dabei kontinuierlich die Brust an. Versuche Deine Lungen so weit wie möglich mit Luft zu füllen.

Atem anhalten: Halte den Atem so lange an, wie es sich für Dich gut anfühlt. Versuche während dieser Phase Deinen Brustkorb zu vergrössern und richte dabei Deine Wirbelsäule weiter auf.

Ausatmen: Atme durch die Nase (oder Mund und Nase zusammen) langsam und gleichmässig und komplett aus.

Dritter Atemzug

Einatmen: Atme frische Luft zu den Lungen und konzentriere Dich mit dem Geist (Yi-Nian) und dem Bewusstsein (Yi-Shi) auf die Lungen. Spanne Deine Lungen beim Einatmen kontinuierlich an und atme ein bis Deine Lungen komplett voll sind.

Atem anhalten: Halte die Luft wiederum an, solange, wie es sich gut für Dich anfühlt. Versuche während des Anhaltens Deine Lungen, Brust und Rippen gleichzeitig mit dem Geist (Yi-Nian) und dem Bewusstsein (Yi-Shi) zu vergrössern. Dabei sollte ein Gefühl der Wärme in der Brust oder sogar dem ganzen Körper entstehen. Damit wird das Cou-li (Subkutis, Faszien, Bindegewebe) mit der Lebensessenz (Jing-qi) genährt.

Ausatmen: Atme langsam und vollständig aus.

Anpassen des unteren Jiao (Unteres Energiezentrum)

Während Du die Übungen im unteren Jiao machst, sollten Deine Augen weiterhin geschlossen sein und Dein Blick (Geist/Yi-Nian) sollte von der Brust runter zur Bauchhöhle bewegt werden.

Vierter Atemzug

Einatmen: Atme tief durch die Nase ein. Schliesse dabei die “Yin-Tore” (Mula Bandha genannt im Yoga): Hebe (Muskelkontraktion) dazu den Beckenboden, also spanne Anus und Geschlecht und den Unterbauch an. Benutze Deinen Verstand (Yi-Nian), um Deinen Unterbauch so weit wie möglich anzuspannen, bis Du nicht weiter einatmen kannst. Die Vorderseite Deines Körpers sollte sozusagen an der Rückseite Deines Körpers “kleben”.

Atem anhalten: Halte den Atem so lange an, wie es sich für Dich wohlfühlt und brauche während dieser Zeit Deinen Geist (Yi-Nian), um den Unterbauch “innen” und “aussen” zu vergrössern.

Ausatmen: Langsam durch den Mund (oder Mund und Nase zusammen) ausatmen. Entspanne beim Ausatmen den Unterbauch, “innen” und “aussen”.

Fünfter Atemzug

Einatmen: Wieder einatmen, den Beckenboden angeben und den Unterbauch anspannen, kontinuierlich, bis Du ihn nicht weiter straffen kannst.

Atem anhalten: An diesem Punkt die Atmung stoppen und eine Weile anhalten. Während dieser Zeit nutze die Kraft des Bauchraums, um die Unterbauchhöhle so gross wie möglich zu machen.

Ausatmen: Atme langsam durch den Mund (oder durch Mund und Nase zusammen) aus.

Sechster Atemzug

Einatmen: Atme wieder ein, hebe den Beckenboden an und spanne den Unterbauch, mit erhöhtem Geist (Yi-Nian), Bewusstsein (Yi-Shi) und Shen-Yi. Atme so lange ein, bis es nicht weiter möglich ist.

Halten Sie den Atem an: Solange den Atem anhalten, wie es sich wohl anfühlt. Dann dehne mit Kraft den Bauch, die Unterbauchhöhle, den Unterbauch selbst und auch den äusseren Teil des Unterbauches so weit wie möglich aus. Bleibe einen Moment in diesem Zustand. Fühle wie sich die Bauchhöhle oder sogar der ganze Körper erwärmt.

Atmen Sie aus: Atme langsam durch den Mund (oder durch Mund und Nase zusammen) aus.

Diese Schritte bilden einen Übungssatz. Du kannst Dich langsam steigern und erst einen, nach einer Woche zwei und am Ende drei solche Übungssätze ausführen.

Hinweis:

Bei allen Übungen im Zusammenhang mit Yi-Jing-Bian-Qi muss der Atem nach jedem Abschnitt angehalten werden, sonst kann Jing nicht in Qi “umgewandelt oder verschoben” werden! Das heisst, auch nach dem Ausatmen sollte der Atem auch so lange wie möglich angehalten werden.

Im Qi baden und Abschluss der Meditation

Nach einem bis drei dieser Atemübungssätze sitzen wir weiter still und atmen natürlich. Dabei sollte der ganze Körper entspannt werden. Ablenkende Gedanken vermeiden, indem wir uns auf unseren eigenen Körper fokussieren und hineinfühlen. Sollten zu viele ablenkende Gedanken auftreten, dann beende einfach die Meditation, indem Du die Hände zusammenreibst, danach mit Deinen Händen Dein Gesicht reibst, die Augen öffnest und langsam aufstehst.

Diese Übung sollte möglichst täglich gemacht werden.

Quellen:
Meister Wang Liping, Richard Liao (Akupunkturarzt)

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