Die Geschichte vom kurzen Erfolg

Im Sommer 2002 gründete ich mit vier Freunden ein Unternehmen namens Gamebase.ch. Es handelte sich dabei um ein «Online-Portal» für die Schweizer Gamer-Szene. Wir haben uns die nötigen Programmierer, Designer, Administratoren und Moderatoren und sogar die Sponsoren in der Szene gesucht. Alle waren bereit, unentgeltlich an unserem Vorhaben mitzuwirken. In nur wenigen Monaten waren wir unangefochten die Nummer Eins in der Schweiz, verfügten über News, hatten unsere eigenen Foren, eine eigene Liga, eigene Game-Server und veranstalteten die ersten eigenen Events mit hunderten von Teilnehmern. Ein voller Erfolg – auch wirtschaftlich.

Der erste grosse Erfolg mit einem online Portal namens Gamebase ist heute noch zu finden. Die Seite sah für die Zeit in der sie entstanden ist schon durchaus modern aus und hatte zahlreiche Features moderner Webseiten, was durchaus dazu beigetragen hat, dass das Projekt erfolgreich war.

Quelle: https://web.archive.org/web/20031201085215 / http://www.gamebase.ch:80/

 

Von uns Gründern war keiner ein Betriebsökonom – aber immerhin hatte einer bereits eine kaufmännische Berufslehre absolviert. Dennoch leiteten wir ein Unternehmen, das innerhalb eines Jahres 20’000 registrierte User hatte – ein Joint-Venture, denn rechtlich gesehen waren wir zwei Vereine. Aufgrund interner Meinungsverschiedenheiten entschieden wir uns für eine Trennung der beiden Vereine. Dies führte jedoch leider zum Ende von Gamebase.ch.

Erfolg braucht eine Strategie

In den vergangenen 15 Jahren habe ich weitere Versuche unternommen, den anfänglichen Erfolg mit demselben Business-Modell in anderen Szenen zu replizieren, da ich überzeugt bin, dass – mit der richtigen Methode – ein Online-Business zu gründen eine vielversprechende Möglichkeit ist, sich selbständig zu machen.

Erfolg von Startups

Aber der Erfolg eines Startups ist nicht nur vom Business-Modell abhängig, sondern auch vom Markt und weiteren Faktoren. Wir hatten damals das Glück, dass unsere Kunden, die «Gamer», einen Grossteil ihrer Zeit vor dem Computer verbringen, sich dort mit Gleichgesinnten austauschen, sich in ihrem Können messen und versuchen, sich in der Szene zu positionieren. Wir waren selbst ein Teil unseres Zielpublikums und kannten die Bedürfnisse sehr gut. Wir waren, wenn auch nur am Computer, sehr nahe an unseren Kunden, erhielten täglich Feedback und konnten aus den Feedbacks heraus das Produkt anpassen. Wir haben Produkte kreiert, für welche eine Untergruppe der Schweizer Population ein tatsächliches Bedürfnis hatte und wir haben den richtigen Weg gewählt, mit dem Produkt vor diese Gruppe zu treten.

Erfolg im Internet

Mit dem Internet als meine grenzenlose Spielwiese habe ich viele Trends erlebt, habe meine Freizeit in Foren verbracht und dabei Tausende von Leuten aus den verschiedensten Orten der Welt kennengelernt. Viele davon sind echte Freunde geworden und wir haben gemeinsam andere Länder besucht. Das führte auch zu meiner Entscheidung, «International Management» als meine Vertiefungsrichtung im Bachelorstudium an der Privaten Hochschule für Wirtschaft in Bern zu wählen. Durch das in diesem Studium erlangte Wissen wurde es mir möglich, zu analysieren, was zum Erfolg von Gamebase.ch führte. Ich suchte die passenden Modelle und Theorien und habe daraus wiederum ein hypothetisches Business-Modell aufgestellt und dieses nach seiner Funktionalität untersucht, indem ich ein Unternehmen (SAFIT) nur als Entität im Internet kreiert habe, mit welchem ich nun Schritt für Schritt versuche, meine Hypothese zu bestätigen.

Der "Erfolg" mit gamebase.ch

Erfolg ist kein Glück

Basierend auf diesen ersten Erfolg habe ich ein Business-Modell entwickelt und auf die Funktionalität hin geprüft. Dabei wurden die Ideen von Lean Management, der Blue Ocean-Strategie, Human Centered Design und Minimal Viable Products kombiniert.

In diesem Business Modell wurde der Mensch, dessen Verhalten und seine Sprache in den Mittelpunkt gestellt. Dies bedeutet, dass Bedürfnisse der Lieferanten (in diesem Fall die Autoren), Mitarbeitenden und Kunden gleichermassen beachtet werden.

Um das Modell zu prüfen, wurde im Internet eine Entität gebaut, die auf einem gesättigten Markt Dienstleistungsprodukte, namentlich Weiterbildungen, anbietet. Diese Weiterbildungskurse wurden als MVP rein online vermarktet. Um der Konkurrenz auszuweichen, wurde eine Blue Ocean-Strategie verfolgt. Nach dem HCD-Gedanken wurde das Nachfragevolumen nach potentiellen Produkten aus Sekundärdaten von Suchmaschinen und Social Media erhoben. Das Produkt wurde anhand der gesammelten Kundenwünsche optimiert und die Landingpages entsprechend angepasst.

Mit dieser Vorgehensweise konnte das Risiko, mit Dienstleistungsprodukten zu scheitern, systematisch reduziert werden.

Die Erfahrungen, welche durch diese Arbeit gesammelt wurden, lassen die Formulierung einer Handlungsempfehlung zu:

  • Die Kunden und ihre Bedürfnisse kennenlernen und in den Vordergrund stellen.

  • Das notwendige Knowhow aneignen, wie man die von den Suchmaschinen aufgezeichneten Daten erhebt, analysiert und auswertet.

  • Hochwertige Texte erstellen, um ehrlich kostenloses Wissen zu vermitteln, welches den Zielkunden und dem Markt (inklusive der Konkurrenz) einen echten Nutzen bringt – denn die Backlinks von der stärksten Konkurrenz sind die wertvollsten «Zitierungen» überhaupt.

  • Fortlaufend die «semantischen Suchen» rund um das eigene Angebot analysieren und die Resultate in die Produkteentwicklung einfliessen lassen.

  • Die Vision zur Entität entwickeln, welche zugleich als Strategie verwendet wird.

 

Begriffserklärungen

Entitäten sind Subjekte, d.h. Instanzen von Objekten: Identifizierte Personen, Unternehmen oder auch sachliche oder abstrakten Dinge

Gamebase.ch war eine Community-Webseite für Online-Gamer aus dem Jahr 2003, bei welcher Marc Dietschi einer von fünf Gründern war.

Gamer sind Konsolen- oder Computerspieler

HCD ist die Abkürzung für Human Centered Design

Landingpage ist eine auf eine Zielgruppe und eine Handlung spezialisierte Webseite

MVP ist die Abkürzung für Minimal Viable Product (Begriff aus der Informatik)

 

Erfolg der Unternehmen

Bestehende Unternehmen müssen sich heute zahlreichen umweltbezogenen Herausforderungen stellen. Zu diesen Herausforderungen gehören die Adaptierung an die sich verändernde Wettbewerbssituation, an den technischen Fortschritt und an den «Wertewandel».[1] Fortlaufend muss die Effizienz erhalten werden, indem die Markt- und Kundenorientierung optimiert wird. Zwangsläufig ist dies ohne die nötige Agilität kaum möglich.[2] Dies sind nur ein paar Gründe, weshalb 80–90% aller Startups scheitern.

Relevante, bestehende Modelle, Methoden und Werkzeuge

Blue Ocean-Strategie

Es wird versucht, durch Differenzierung neue Märkte zu erschliessen, indem bestehende Weiterbildungen so «verpackt» werden, dass sie der Konkurrenz ausweichen und neue Nachfrage generieren.

Human Centered Design (HCD)

Eine menschenzentrierte Innovationskultur, welche eine solide Basis für eine zukunftsorientierte Unternehmens- und Produktstrategie bilden soll.

Perfect Customer Lifecycle (PCL)

Ein im Online-Marketing verwendetes CRM (Customer Relationship Managament), in welchem potentielle Kunden durch sogenannte «Funnel» mehrere Schritte durchlaufen, um am Ende loyal der Dienstleistung gegenüber zu stehen.[3]

Lean Management

In Anlehnung an die «Lean Production» gehören die Vermeidung von Blindleistung, Over-Engineering und die Reduktion von Fehlleistungen und Fehlkosten zur effizienten Gestaltung der Wertschöpfungskette.

Das «Minimum Viable Product» entspringt dem «Lean Startup» und somit dem oben genannten «Lean Management»-Gedanken: Es soll ein schnell und einfach erstelltes Produkt, welches nur mit den nötigsten Kernfunktionen ausgestattet ist, auf Marktchancen prüfen. Auf diesem Gedanken aufbauend kann auch ein entsprechendes «Minimum Viable Marketing» entwickel werden. Im Zentrum steht pro Produkt eine Landingpage.

 

Erfolg als Startup

Um als Startup diesen Herausforderungen gewachsen zu sein, wurde eine theoretische Lösung entwickelt. Dieses theoretische Business Modell, welches die Ideen von Lean Management, Blue Ocean-Strategie, Human Centered Design und den Minimal Viable Products vereinen soll, soll den Namen SAFIT Business Modell tragen. Im SAFIT Business Modell steht der Mensch als Konsument, Mitarbeiter und Lieferanten im Mittelpunkt. Dies bedeutet, dass Bedürfnisse der Lieferanten (Autoren), Mitarbeitenden und Kunden gleichermassen beachtet werden. Um das Modell zu prüfen, wird eine Entität gebaut, welches als Dienstleistungsprodukte Weiterbildungen anbieten soll. Diese werden als MVP rein online vermarktet. Als strategische Basis wird eine Blue Ocean-Strategie verfolgt. Nach dem HCD-Gedanken werden potentielle Produkte zusammen mit den Dozenten grob ausgearbeitet und auf einer Landingpage angeboten. Diese werden kostenlos über Social Media Beiträge beworben. Die Besucher dieser Landingpages verfügen über drei Optionen: den Kurs zu buchen, weitere Informationen zum Kurs zu bestellen (kostenlose Informationen zum Thema) oder die Seite zu verlassen. An diesem Punkt wird der Kunde durch eine Umfrage in die Gestaltung des Kurses miteinbezogen. Das Produkt wird anhand der gesammelten Kundenwünsche optimiert und die Landingpages werden entsprechend angepasst. Dabei werden diese wiederum auf Social Media beworben. Erhält ein MVP zu wenig Resonanz (Interessenten, Feedbacks, Anmeldungen), wird dieser abgesagt und das Produkt überdacht.

 

Ein Business Modell ohne Skalierbarkeit ist aus meiner Sicht nicht erfolgversprechend!

 

Um aber Erfolg im Business zu haben, ist das Wichtigste: Unternehmergeist

 

Ein ganz besonderer Dank gilt meinem Dozenten Gerd Frera, der nicht nur mit interessanten Grundlagenvorlesungen meinen Studienstart bereichert hat, sondern auch meine Diplomarbeit betreut und inspiriert hat. Vor allem bedanke ich mich bei Gerd Frera für seine wegweisenden Ratschläge und seine Unterstützung seit dem ersten Semester an der PHW. Seine Einstellung zur Wirtschaft und zum Unternehmertum hatten einen massgeblichen Einfluss auf meine Motivation und meinen «Mindset».

Quellen: Marc Dietschi, Thesis «Online Vermarktung von Dienstleistungsprodukten mit einer Blue Ocean-Strategie basierend auf einer Kombination aus Minimum Viable Products (MVP), Human Centered Design (HCD) & Lean Management basierenden Business Modells: Evaluation und Interpretation der Skalierbarkeit und Machbarkeit», PHW Bern, 2018.

[1]        Baldegger, Firm Growth and Innovation, 2017.
[2]        Baldegger, Firm Growth and Innovation, 2017.
[3]        Stuber, 2017.
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